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Wüstentour in Tunesien - nach der Revolution im April 2011!
Geschrieben Freitag, 10. Juni 2011 von Administrator
Sicher seid ihr gespannt zu erfahren, wie unsere 2 Quellen Tour in das neue
Tunesien verlaufen ist. Die Vorbereitungen auf diese Tour waren für alle
Beteiligten ein gefühlsmäßiges Achterbahn fahren. Die vielen Berichte der
Medien über die Revolution, die Ängste der Familien und Freunde, Frauen,
die sich an- und wieder abmeldeten. Zum Glück erhielten wir viele
Informationen vor Ort, quasi aus erster Hand, die uns letztendlich doch
immer wieder beruhigten.
Ein großer Dank gilt Uschi, die uns immer wieder Mut machte, uns Sicherheit und große Offenheit beschert hat!
Andrea und ich bereiteten uns intensiv auf unsere erste gemeinsame Tour
als El Mida Guides vor. So wurden Medikamentenlisten erstellt, die
Arzneien zusammengepackt, Erste-Hilfe-Kurse aufgefrischt und ein
Satellitentelefon ausgeliehen. Wir telefonierten oder mailten uns fast
täglich, um uns über die Neuigkeiten auszutauschen. Auch standen wir
mit Uschi und unseren zukünftigen Wüstenfrauen immer wieder in Mail oder
Telefonkontakt, sodass wir zueinander schon ein nettes und vertrautes Verhältnis aufbauen konnten.

Dann ging es endlich am 15. April los. Unsere Gruppe bestand aus 9 Frauen:
Karin, Marita, Olga, Anne, Petra, Sarah, Rita, Andrea und mir.
Am Flughafen auf Djerba wurden wir mit Freude von Mustafa, Andrea und den
schon vorher angereisten Frauen empfangen. Als wir dort landeten, war ein
großes Aufgebot an Tunesiern vor Ort, die einen ankommenden Politiker,
der 20 Jahre im Exil war, mit Trällern und Jubelrufen empfingen. Dieser
Mann saß mit uns im Flugzeug, er war bei der Passkontrolle vor uns. Er sah
sehr krank aus, konnte kaum laufen, trat aber dann mit einem solch
freudigem, stolzem Schritt auf den tunesischen Boden, dass man Gänsehaut
bekommen konnte.
Was das für ein Gefühl sein muss, sein Land nach so vielen Jahren wieder zu betreten!

Unser Anreisetag auf Djerba war sehr entspannt. Wir Frauen bummelten
durch die Souks, tranken frisch gepressten Orangensaft und konnten uns
schon so ein wenig kennenlernen. Es waren wie schon erwartet, kaum
Touristen unterwegs.
Am nächsten Morgen ging es dann um 7.00 Uhr los. Die Fahrer holten uns ab
und wir fuhren mit 2 Jeeps in Richtung Süden. An der Fähre war so wenig
los, dass wir sofort hinauf fahren konnten. Ansonsten kam mir alles so
vor wie immer. Hin und wieder gab es Polizei-Kontrollen auf den Straßen,
genau wie bei den früheren Reisen auch.
Nach einer kleinen Rast am Ksar Jumaa, wo seit dem letzten Herbst einiges
sehr hübsch renoviert worden ist (demnächst wird hier ein Restaurant
eröffnet), gelangten wir nach Ksar Ghilane.
Hier erstanden wir unsere Chechs und Wüstenkleidung. Beim Gespräch mit den
Händlern erfuhren wir, dass 3 Monate kein einziger Tourist in der Oase
war. Auf dem Campingplatz in Ksar Ghilane gab auch jetzt es keinen einzigen
Gast. In der Oase selbst gab es lediglich an dem Tag, an dem wir da waren
vielleicht 10 Touristen - die ersten seit Monaten.
Nach einer Teepause fuhren dann noch ein Stückchen in die Wüste hinein.
Dort warteten die Beduinen und auch Marita auf uns. Marita war schon eine
Woche vor uns in Douz gewesen und hatte dort eine tolle Zeit verbracht. Es
war ein freudiges Wiedersehen mit unseren Beduinen, Edi, Ali, Achmed und
Amor (dem Sohn von Bechir aus Safraane).

Nach dem Essen überreichten Andrea und ich die Spendengelder. Ich
erklärte, dass es ein Geschenk von vielen Frauen für viele Beduinen sei.
Wir gingen alle Beduinen durch, Andrea hatte auf jeden Briefumschlag ein
Porträtfoto des jeweiligen Mannes geklebt. Auch den Bogen mit den
Frauenbildern erläuterten wir mit Namen. Am nächsten Tag (ich denke die
Männer hatten in die Umschläge geschaut) sprach Edi mich an und bedankte
sich noch einmal sehr für das Geschenk auch im Namen der anderen Beduinen.
Nach dem Mittagessen liefen wir los, das Tempo war stramm, die Frauen gut
gelaunt und gespannt, was sie so alles erwartete. Der Himmel war zunächst
etwas bedeckt, genau richtig für den Einstieg in die Wüste. Abends
beschlossen wir am nächsten Tag sehr früh los zu gehen, da wir mit großer
Hitze zu rechnen hatten. Wir verabredeten einen Weckruf mit Tamtam (der
Rahmentrommel) um 5.50.
Und dann hatten wir die erste Nacht in der Wüste! Es war ein herrlicher
Vollmond, Sterne sah man dadurch zwar wenig, aber dafür konnten wir uns
gut in der Nacht orientieren.
Am nächsten Morgen kamen wir pünktlich um 7.30 los. Wie schon abends
prophezeit, war der Tag sehr heiß. Wir maßen 37,1°C im Schatten und
machten schon um 11.30h eine lange Mittagspause.
In dieser probierten Andrea und ich das ausgeliehene Satellitentelefon
aus. Wir hatten Uschi versprochen, es einmal zu testen, wenn wir in der
Wüste sind. Leider fand das Telefon keinen Satelliten! Wir probierten es
mehrere Male, bis wir dann Edi um Rat fragten. Er lief mit Andrea über ein
paar riesige Dünen, aktivierte dann auf der anderen Seite verschiedene
Handys und bekam schließlich einen total verschlafenen Abdelmajid (der
Chef von Douz Voyages) ans Ohr. Dieser versprach Uschi wegen des nicht
funktionierenden Telefons zu informieren. Es war eine riesige Beruhigung,
Uschi wusste nun Bescheid und konnte unsere Familien informieren. Für uns
ist auch gut zu wissen, dass die Beduinen oft eine Möglichkeit haben,
Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Sie wissen meistens, wo man Handy
Verbindung hat. Im Nachhinein erfuhren wir, dass der Satellitenempfang
wahrscheinlich durch die Libyenkrise gestört war.

Die nächsten Wüstentage waren tagsüber mit recht großer Hitze und einem
strammen Lauftempo erfüllt. Zum Glück schafften wir es immer morgens um
7.30 los zu laufen, so dass wir nicht in die absolute Mittagshitze kamen.
Nachmittags liefen wir dann auch bis kurz vor Sonnenuntergang. Wir Frauen
und auch die Beduinen waren abends recht müde, so dass wir uns freuten
nach dem Abendessen in unsere Schlafsäcke zu kriechen.
Am 4. Tag hatten einige Frauen Blessuren: Blasen, Knieprobleme, gereizte
Augen, Splitter im Daumen und wirkten erschöpft, aber trotzdem fröhlich.
Andrea und ich hatten 2x täglich unsere „Sprechstunden“ wo wir Verbände
anlegten, Augen tropften, homöopathische Mittel verabreichten und
Kniebandagen verteilten.
Dafür bekamen wir an diesem Tag wir eine große Belohnung! Kurz vor
Sonnenuntergang erreichten wir die Quelle am Gala Blachmar Berg. Endlich
Wasser, baden, waschen und erfrischen!
Unsere müden Knochen wurden wieder beweglich und munter.

Abends beim Feuer gab es zunächst einen herrlichen Sternenhimmel. Als der
fast volle Mond hochkam, begann das Wetterleuchten. Ein tolles und
intensives Natur-Erlebnis. Als wir in der Ferne noch Donner grollen
hörten, bereiteten wir uns auf eine Regen- und Gewitternacht vor. Ich
wurde in der Nacht von ziemlichem Wind geweckt, auf den ein heftiger Regen
mit Blitz und Donner folgte. Ich schaute mich nach den Frauen um, wir
lagen an der Quelle ziemlich nah beieinander. Die Frauen kicherten und
überlegten sich, was sie hier überhaupt machen. In die Wüste zu fahren,
solche Strapazen auf sich zu nehmen und dann noch mitten in einem heftigen
Gewitter unter freiem Himmel zu liegen! Man braucht doch eine gewisse
Portion an Humor, um das so gelassen zu sehen! Es fasziniert mich immer
wieder in der Wüste Gewitter zu erleben, man fühlt sich ganz klein im
großen Universum und doch so zugehörig!
Am nächsten Morgen hatte es sich ziemlich abgekühlt, der Himmel war blau
und eine kühle Brise (bachri= der Wind, der vom Meer kommt) wehte. Den
anderen Frauen schien die Nacht trotz Gewitter einigermaßen bekommen zu
sein, obwohl die Blessuren der letzten Tage noch nicht ganz verheilt
waren.
An diesem Tag erreichten wir den südlichsten Punkt unserer Tour,
Bir Auin. Wir liefen daran vorbei, es ist ein Militärstützpunkt, in dem
auch ein Brunnen ist. Ali ging mit zwei Kamelen und Wasserkanistern los um
Wasser zu holen.
Wir Frauen waren ganz schön stolz auf das, was wir bisher geschafft
hatten: etwa 75 Kilometer in großer Hitze zu gehen, dabei riesige
Sanddünen zu überqueren, das heftige Gewitter in der Nacht...

Wir stiegen noch einmal riesige Dünen hinauf und wurden oben mit einmalig
schönen Ausblicken belohnt: man konnte immer wieder in 5 verschiedene
Täler blicken, eines schöner als das nächste...

Dann ging es eine Zeit lang nur bergab. Teilweise hatte man das Gefühl,
dass es ca. 200 Meter Höhenunterschied gab. Da ja alles so weich und
sandig ist, kann man hier gar keine Höhenangst bekommen, sondern die Dünen
runter rennen, sich runter kugeln, was einige Frauen auch taten.
Da wir nun den südlichsten Punkt überschritten, und genug Wasser bei uns
hatten, konnten wir die Tour von nun an wesentlich langsamer und
entspannter laufen. Zunächst musste es so zügig gehen, da man im Frühjahr
jederzeit mit einem Sandsturm rechnen muss und somit manchmal nicht weiter
gehen kann. Wenn das gleich zu Anfang geschehen wäre, hätte es
Zeitprobleme geben können.
An diesem Abend war unsere Stimmung super, selbst die Beduinen wirkten
erleichtert, und somit gab es am Feuer nach dem Essen wunderschöne Musik
und Tanz. Auch wir Frauen erfreuten uns und die Männer mit tollen
Gesängen, vor allem Olga, die eine wunderschöne Soul-Stimme hat.
Jetzt da wir etwas gemächlicher gehen konnten, ergaben sich auch immer
wieder Gespräche mit den Beduinen.
Einige Beduinen können keine oder nur noch kurze Touren gehen.
Ibrahim hat ganz schlimme Rückenprobleme, der Arzt hat ihm eine Korsage
verschrieben, er kann nur noch kleine Touren laufen. Habib ist letztes
Jahr Vater geworden. Leider sind zwei seiner Kamele gestorben, so dass er
nur noch eines hat. Mit einem Kamel ist es für ihn nicht möglich bei einer Tour
mit zu machen.
Ali mit der Brille ist nun komplett blind, er kann gar keine Touren mehr
laufen.
Sowohl von Ibrahim, als auch von Ali Tam-Tam sind im letzten Jahr Kamele
auf der Straße zwischen Matmata und Douz von zu schnell fahrenden Autos
tot gefahren worden. Die Beduinen bekommen keinen Ersatz oder Geld dafür.
Edis „Heschi“ (das junge Kamel) war Anfang des Jahres so krank, dass es 4
Wochen gar nichts gefressen hat. Der Kamelarzt gab ihm jeden Tag 2
Spritzen und sie hatten schon die Hoffnung der Genesung aufgegeben. Die
Familie besuchte das Heschi jeden Tag und betete zu Allah. Zum Glück
erholte es sich und konnte nun auf unserer Tour mitgehen. Es hatte ziemlich
abgenommen, wir fütterten es mit ganz vielen Blumen, die zum Glück
reichlich vorhanden waren.

Über den Sturz von Ben Ali freuen sich alle sehr. Die Beduinen sagen, dass
vor allem die Nachrichten und das Fernsehen nun ganz anders sind. Viel
offener und freier, es wird über alles geredet. Auch haben sie nun keine
Angst mehr, dass Handy-Gespräche belauscht und Mails eingesehen werden.
Sie wünschen sich eine Demokratie, wissen aber auch, dass es viel Zeit
braucht und man geduldig sein muss.

Nun wieder zurück zu unserer Tour. Am Karfreitag erreichten wir die 2.
Quelle, „la Source“ oder Lac Houidhat“. Es war sehr heiß, 37 ° im Schatten und 48° in der
Sonne. Alle freuten sich über einen halben Tag Pause. An der Quelle waren
sogar einige Touristen. Eine deutsche Familie mit 2 Kindern, die schon das
6. Mal da waren. Dann lagerten dort noch 3 Jeeps mit Touristen. Wir waren
allerdings die einzige Karawane.
Auch das Café-Zelt stand noch da, was einige unserer Frauen sehr freute,
da sie sich eine kalte Cola gönnen konnten.
Das Baden in der Quelle war wieder ausgesprochen aufmunternd und die Pause
tat jedem gut.

Der frühe Morgen begann wieder mit Regen, Blitz und Donner. Zum Glück
hörte der Regen nach dem Losgehen auf, dafür kam der heiße Südwind, der
„Sheheli“. Die Stimmung in der Gruppe war super, durch unsere gemeinsamen
Erfahrungen und intensiven Erlebnissen wuchsen wir sehr zusammen. In den
Mittagspausen unterhielt uns Karin immer mit kurzen, sehr amüsanten
Geschichten. Dadurch wurden auch unsere Lachmuskeln sehr gut gekräftigt:0)

Am Ostersamstag bereiteten Andrea und ich die Osterüberraschungen vor.
Andrea hatte kleine Stoffhasen und Kamele genäht, die wir mit Süßigkeiten
füllten. Diese versteckten wir dann am Ostersonntag Morgen. Nun begann die
Suche. Die Frauen suchten Stoff-Hasen und die Männer Stoff-Kamele. Alle waren intensiv
dabei und freuten sich sehr über ihre gefundenen Schätze.
An diesem Tag wurde der Hitzerekord gesprengt 43,5° im Schatten (53,8° in
der Sonne), dazu der heiße Scheheli und ein beginnender Sandsturm. Zum
Glück war es nur ein kleiner Sandsturm, der uns Frauen aber sehr
faszinierte. Die Dünen sahen aus, als ob Djinns (Geister) mit Schleiern über sie
tanzten.
Abends flachte der Wind wieder ab, auch die Luft wurde angenehm kühl (18°).
Die Beduinen trinken gerne kaltes Wasser. Sie kühlen es ab, indem sie
Wasser in eine Metallschüssel gießen. Nach einer halben Stunde ist es so
kalt, als ob es aus dem Kühlschrank käme. Auch für uns gab es kaltes
Wasser. Es war sehr erfrischend nach einem so heißen Tag.
Abends bereitete Achmed mit viel Sorgfalt für uns einen Beduinen-Tee zu,
den wir genüsslich schlürften.

Am nächsten Tag war es wieder sehr heiß. Dadurch, dass wir immer so früh
morgens los liefen und wir sonst keine Verzögerungen hatten, konnten wir
uns noch einen halben Tag Pause gönnen. Die ganze Zeit windete es heiß und
überall war Sand. Die Beduinen bauten sowohl das kleine weiße Zelt, als
auch das Beduinenzelt auf. Wir machten es uns im großen Zelt gemütlich,
lasen umschichtig vor, massierten uns gegenseitig und ließen es uns gut
gehen. Dann gab es Kaffee, Tee und Kekse, es war total entspannend.

Mittlerweile waren auch die anfänglichen Blessuren verheilt, so dass es
uns Frauen sehr gut ging. Karin las auf einmal eine sehr lustige
Geschichte vor, die sie mal eben so geschrieben hatte. Ein paar Sachen
waren in der Wüste verloren gegangen (ein Brillenetui, Ohrringe, ein Tuch,
ein Osterhase...) Die Geschichte handelte von den verlorenen Dingen. Es
ist immer toll, wie kreativ sie sein kann trotz der großen Hitze!
Abends flachte der Wind wieder ab und es wurde ein wunderschöner Abend mit
Musik und Tanz.
In der Nacht fing es wieder an zu regnen, es regnete auch
noch beim Frühstück. Zum Glück stand das weiße Zelt noch, so dass wir
nicht ganz so nass wurden. Dafür sahen wir aus, als ob wir paniert wären!
Das war eine echte Verwüstung:0)))

So langsam kamen wir dem Ende der Tour entgegen. Wir erreichten zur
Kekspause den Berg Tembain. Auf diesem Berg hat man eine herrliche Sicht
in alle Himmelsrichtungen. Mit Stolz erblickten wir in der Ferne die Berge
Elmida, Tennessone und Dacanis die wir auf der anderen Seite umwandert
hatten. Wir haben wirklich eine riesige Strecke zurück gelegt!
Nach der Bergbesteigung schlugen wir in der Nähe des Tembain-Brunnens
unser Mittagslager auf. Danach gingen wir Frauen mit Ali Kamele tränken
und Wasser holen.
Es ist immer wieder ein eindrucksvolles Bild, wenn die
Kamele trinken. Dass sie innerhalb von so kurzer Zeit so viel Wasser zu
sich nehmen können! Die Bäuche der Tiere sind danach dermaßen dick!
Auch für uns war das Wasser des Tembain-Brunnens wieder eine willkommene
Erfrischung. Es schmeckt so lecker süß und ist herrlich kalt.

In der Mittagspause feierten wir Petras Geburtstag. Andrea hatte ein
kleines Kamel und ein Pixibüchlein über die Wüste besorgt. Dann sangen wir
noch Happy Birthday auf arabisch. Petra war ganz gerührt. Später sagte
sie, dass es ihr schönster Geburtstag überhaupt gewesen sei.

Auf unserem Weg zum Djebil begannen die Beduinen wilden Wacholder zu
suchen. Sie nennen es Djade. Es soll sehr gut bei Magen-Darm-Beschwerden
wirken. Der Teeaufguss schmeckt allerdings furchtbar bitter. Wir sammelten
große Sträuße dieser lila blühenden Pflanze. Die Beduinen sammeln häufig
Kräuter, die sie dann verkaufen. Ali zeigte uns noch eine Pflanze, die wir
Lippenstiftpflanze tauften. Es ist ein kleines lila blühendes Blümchen,
welches eine lange rote Wurzel hat. Diese Wurzel benutzen die
Beduinenfrauen als Lippenstift. Das war natürlich auch etwas für uns
Frauen. Einige von uns trugen auf einmal Wüstenlippenstift. Die Farbe hält
so richtig lange!

Der letzte Wüstentag brach nach einer sternenreichen Nacht mit vielen
Sternschnuppen an. Alle waren ziemlich wehmütig. Auch die Beduinen waren
traurig, dass es nun bald vorbei ist. Am Ende der Mittagspause saßen wir
mit ihnen allen zusammen und tranken den leckeren Beduinentee. Die Männer
erkundigten sich nach verschiedenen Frauen mit denen sie einmal gegangen
waren.
Am Abend erreichten wir unser Ziel, den Djebil. Dort erwarteten uns schon
2 Jeeps mit den Fahrern. Sie brachten uns frisches Gemüse, Obst und
Fleisch. Das Abendessen wurde ein Festmahl mit leckerem Cous-Cous.
Danach erfreuten wir Frauen unsere Beduinen mit einem kleinen
Puppentheater. Die Osterhasen stellten uns Frauen dar. Die Beduinen waren
von Andrea und mir gebastelte Papierpüppchen. Wir spielten verschiedene
Szenen unserer Tour auf arabisch nach, was den Beduinen ziemlichen Spaß
machte.
Sp¡¡ter wurde noch sehr lange Musik gemacht und getanzt. Wir hatten einen
wunderschönen Abschieds-Abend.
Am nächsten Morgen wurden wir gegen 8.00 abgeholt. Es war ein rührender
Abschied! Alle hatten Tränen in den Augen! Dann fuhren wir nach Douz. Dort
war wie jeden Donnerstag Markt. Ein äußerst buntes Treiben nach der Ruhe
in der Wüste! Dadurch, dass keine Touren liefen, waren einige bekannte
Beduinen unterwegs. Wir trafen: Ibrahim (Edis Cousin), Mohammed, Ali
Moustache (Mohammeds Bruder), Amor (der im Herbst mit uns unterwegs war),
Mohammed (unser Koch aus dem letzten Frühjahr) und sogar zum Schluss noch
Bechir, (der sich in den letzten Jahren kaum verändert hatte). Alle freuten
sich sehr uns zu sehen.

Nach einer ausgiebigen Shoppingtour und dem Mittagessen im Restaurant
Palmier, wurden wir ins Hotel gebracht. Diesmal war es das Hotel Sahara,
da alle anderen großen Hotels aufgrund der wenigen Touristen geschlossen
hatten. In diesem Hotel hatten sich ca. 300 Touristen versammelt. Wie immer
war es ein komisches Gefühl nach der langen Zeit wieder in der
Zivilisation zu sein.
Unseren letzten gemeinsamen Abend ließen wir nach dem Essen mit Weißwein
und gemeinsamen Chicha-Rauchen ausklingen. Am nächsten Morgen wurden wir
dann wieder nach Djerba zum Flughafen gebracht.

Andrea und ich als Guides sind uns einig: dies war unsere schönste Tour!
Wir haben von Anfang an viel „Herzblut“ in die Tour gesteckt. Es hat sich
absolut gelohnt. Auch unsere so lieb gewonnenen mitreisenden
Wüstenschwestern waren ohne Ausnahme hellauf begeistert. Alle sind sich
einig, dass sie wieder in die W¨¹ste fahren möchten. Wir haben von
irgendwelchen Unruhen absolut nichts bemerkt. Im Gegenteil, wenn wir Leute
trafen, dann merkte man wie froh sie sind, dass wir da waren. Auf unserer
Rückreise aus der Wüste trafen wir in einem Wüstencafé einen Soldaten, der
hielt sich, als er uns sah, die Hand aufs Herz und schaute so glücklich
aus.
Tunesien braucht Touristen. Ein großer Teil der Arbeit und des Einkommens
stammt aus dem Tourismus. Unsere Beduinen haben zurzeit keinerlei Arbeit.
So ist es für sie unmöglich ihre zum Teil sehr großen Familien zu ernähren. Zum
anderen lieben sie auch ihre Arbeit und es macht sie sehr traurig, dass
sie dieser nicht nachgehen können. In diesem Frühjahr gab es lediglich 4
Touren ingesamt bei Douz Voyages. Zwei davon wurden von El Mida organisiert.

Wir fühlten uns die ganze Zeit sicher und wohl behütet. Für Andrea und
mich ist klar, wir fahren weiter in die Wüste und hoffen, dass es genug
Frauen gibt, die mit uns reisen!

Wir freuen uns von Euch zu hören, beslama, bleibt gesund!

Viele Grüße von Kathrin und Andrea.
|
Über die Meharée durch die Tunesische Sahara
Geschrieben Montag, 14. Februar 2011 von Monika
Geschrieben von Monika im November 2010

„ Und was bleibt ist die Weite der Wüste, und die Weite im Herzen, die Stille im Ohr und die Stille im Herzen, rein, frei, unbeschwert, gelöst, so fällt es leicht, hinauszugehen und mit der ewigen weiten Wüste eins zu werden, dem Horizont und dem Himmel, der über den Horizont und sich selbst hinausführt.“ Ibrahim Al-Koni, Dichter der Tuareg

Über die Meharée durch die Tunesische Sahara im Oktober 2010

Eigentlich gehörte die Wüste bis vor 2 Jahren nicht zu meinen Lebensträumen. Mich faszinierten die Menschen, die in ihr leben, aber ich für mich dachte, dass ich buntes Marktleben liebe, ich glaubte, die „Leere“, die ich dort finden könnte, würde mich bedrücken. Auf einer Rundreise durch Marokko vor 2 Jahren dann gab es auch eine Fahrt zum Erg Chebbi in Südmarokko, um den Sonnenuntergang in der Sahara zu erleben.
Ich war verärgert, weil ich diesen Extra-Ausflug überteuert fand und dachte auch, das ist bestimmt „voll der Nepp“, wo man dann animiert wird, für nochmal mehr Geld ein Kamel an zu heuern und dann in der Menge über die Dünen reitet, wie soll man da ein wirkliches Gefühl für die Wüste finden können...Also, ich wollte auf keinen Fall auf ein Kamel, ich konnte aber auch nicht meiner eigenen Wege durch den Sand gehen, da mir dies seit einer schweren Knie-Op nicht mehr möglich ist.
Auf dem Weg dorthin fuhren wir mit Jeeps, die marrokanischen Männer heizten sich an im Autorennen, lautes Musikgetöse, ich erwartete nichts außer Touristen, Sand, Kamelen und Nepp.
Mit dem Moment, wo wir uns den hohen Sanddünen näherten und ich das rötliche, wunderschöne Licht der untergehenden Sonne über der Sahara wahrnahm, war es um meine Seele geschehen. Ich war ergriffen von soviel Schönheit, ergriffen von der Wüste.Von ihrer Fülle.
Ich mußte unwillkürlich weinen. Und mein Entschluss stand fest, irgendwann wollte ich die Wüste wiedersehen, und sie erleben, für länger. Ich lag meiner besten Freundin in den Ohren, die schon mehrere Wüstenwanderungen auf Kamelen in Ägypten (dort aber auch mit Felsformationen und steilen Graten, die nur zu Fuß begehbar sind) mitgemacht hat. Ihr niederschmetternder Eindruck war, ich würde dies körperlich nicht durchstehen. Also verwarf ich den Gedanken.

Eines Tages stiess ich per Zufall auf die Elmida-Seite, Wüstenreisen für Frauen. Kameltrekking in Tunesien. Mein Herz schlug wild, und nachdem ich einige Reiseberichte gelesen hatte, wußte ich, das ist es, wonach ich gesucht habe. Hier könnte ich genau die Art des individuell geführten Wüstenreisens auf dem Kamel finden und evtl. auch Bedingungen, die es meinem mit einigen Einschränkungen versehenen Körper ermöglichen würden, trotzdem in der Wüste zu sein.

Ein Anruf bei Andrea und Uschi bestätigten mir, dass es möglich ist, auch die ganze Zeit auf dem Kamel zu reiten, und dass die Touren keinen hohen Schwierigkeit an Körper und Kondition darstellen (es sei denn, frau hat künstliche Hüft-oder Kniegelenke) .
Sie waren beide so besonders sympathisch am Telefon, dass mein Gefühl sich verstärkte, „das ist es - hier bist Du richtig“.
Ich könnte eine kleine Liste von den körperlichen Beeinträchtigungen und Risiken schreiben, die für die Wüstentour bestanden. Ich bin jetzt 55 J. alt und hatte vor 5 Jahren zwei verschiedene Tumorerkrankungen überstanden, wegen der Wüstenhitze bestand ein Rest-Risiko für ein Lymphödem, da mir im Bauch ca. 100 und in der Achsel auch so einige Lymphknoten entfernt worden waren. Also hieß es, mich gut mit festen und langärmeligen Stoffen gegen die Sonne zu wappnen, auch habe ich eine Sonnenallergie und schon Hautkrebs im 1. Stadium gehabt. Aber da gab es ja noch diesen überaus praktischen Chech, hinter dem ich beim höchsten Sonnenstand mein Gesicht völlig verbergen konnte.
Mein Knie, das mit 45 Jahren eine komplizierte Umstellungs-osteotomie erfuhr, meckert u. streikt über Tage, wenn ich über steiniges Gelände oder durch tiefen Sand gehe, also fiel das Wandern mit den tollen Wüstenschwestern leider aus, ich habe fast die ganze Zeit die Wüste hoch oben von meinem Kamel erfahren- und es genossen!Und es gab weitere Handicaps. Meine größte Sorge aber galt den Toilettengängen, da ich keine gute Kniebeugung hinkriege, wie würde ich das denn in der Wüste hinkriegen mit dem Klo, und würden die anderen nicht genervt sein, wenn sie länger auf mich warten oder mir mit dem Tragen des Gepäcks z.B. helfen müßten.

Und was war? Nix war...Außer an den ersten 3 Tagen einem blutig wunden Hintern (vom Kamelreiten, wo ich manches Stoßgebet zum Himmel geschickt habe), den ich ab da mit Hilfe von Inges übergroßen Damenbinden abgepolstert und mit Andreas Betaisadonna-Salbe ausreichend geheilt habe, haben sich all die Sorgen in Nichts aufgelöst.

Ich war in der Wüste und es war eine traumhaft schöne Erfahrung. Und: ich bin rundum gesund geblieben, mein Körper, der so oft „spinnt“, hat sich offenbar Ferien von sich selbst gegönnt. Ich konnte vor mich hin träumen auf meinem Kamel, im schaukelnden Gang der Hufe, das L e b e n geniessen in all seiner Fülle, meine Blicke über die unendliche Weite und die immer wieder neuen und andersartigen Formen der Sanddünen schweifen lassen, die Schönheit der Sahara mit all meinen Sinnen trinken.
Ich habe nachts den Himmel über der Wüste erlebt, ohne Zelt, und die unzähligen Sterne funkeln sehen, und eine Ahnung gespürt für das Wunder des Alls, das Wunder der Schöpfung, das Wunder der Wüste in der Nacht. Wir waren eine klasse Truppe von Wüstenschwestern, und es gab untereinander soviel Rücksicht und Feingefühl für die individuellen Gegebenheiten u. Bedürfnisse. Soviel Verbundenheit. Und soviel Spass. Wir mußten morgens nicht hetzen, ich habe das mit dem „Klo“ hingekriegt, und es gab von allen Seiten Unterstützung für das Tragen des Gepäcks durch den tiefen Sand.
Dagmar und Andrea sind wunderbare, sensible, warmherzige, fürsorgliche und umsichtige Begleiterinnen, klasse in diesem „Doppelpack“, mit viel Humor und auch Achtsamkeit, mit einem weiten Horizont und Gespür für die kulturellen Gegebenheiten in Tunesien und im Umgang mit „unseren Beduinen“. Für mich waren sie die ideale Besetzung einer solchen Tour. Das erste Mal, in dem Abenteuer Wüste, fühlte ich mich sofort geborgen, sicher und wohl.

Einige Wüstenschwestern sagten, ihre eindrücklichste Wüstenerfahrung ist, dass man in der Wüste auf sovieles und auf unseren westlichen Luxus verzichten kann, dass man soviel Materielles gar nicht braucht, und in der Wüste dafür Anderes bekommt. Die Stille, die Ruhe, die Abkehr vom Stress und Europas´Hetzen, das Leben mit und in der Natur und mit den Kamelen, ein f a s t noch archaisches Leben, die Achtung vor den Beduinen, und auch ihre Fürsorge und Achtsamkeit. Das war es für mich auch; mehr aber noch die persönliche Erfahrung von viel Vertrauen haben dürfen. Vertrauen in das Kamel, das selbst auf dem steilsten Grat und im tiefsten schon vorher von den vorderen Kamelen ausgetretenen Sand einen gleich bleibenden und sicheren Tritt hat, die Nähe zu diesem tollen Tier hat mir so gut getan; Vertrauen in Beschir,“meinen“ Kamelführer, der alles wahrnimmt und klug und umsichtig führt und sofort anhält, wenn ich ihn darum bitte.
Vertrauen in Dagmar und Andrea, die für uns sorgen und dolmetschen, wenn´s nötig ist, die versuchen, kleine Übel abzuwenden und Anregungen an die Bedus mit Feingefühl an bringen.

Vertrauen in Uschi, die sich auf meine etwas speziellen Wünsche hin sehr viel Mühe gegeben hat, mir v o r der Wüstentour eine Woche in Tunis und Douz, Inlandsflug und Quartiere zu organisieren, wo ich allein unterwegs war. Wenn dort etwas Außergewöhnliches gewesen wäre, hätte ich sie jederzeit anrufen können.
Vertrauen in die Wüste, dass sie ein sicherer, wunderbarer Ort ist. Und nachts keine bedrohlichen Tiere dort herum geistern, davor hatte ich zwar nie Angst, aber es war die Frage einiger Freunde: gibt’s da nicht Schlangen und gefährliche Tiere. Ich habe mich in der Wüste sicherer gefühlt als nachts um 2.00 Uhr am Kölner Hauptbahnhof. Und während dieser Woche allein unterwegs in Tunis, Sidi Bou Said und der Oase Douz mußte ich mich nicht, wie von vielen Freundinnen gewarnt und prophezeit, vor den arabisch-tunesischen Männern oder Händlern flüchten, es gibt sie ganz sicher, in Djerba, an den Badeorten am Meer, wo die vielen Touristen sind. Mir ist kein einziges Mal irgendwie ein Mann blöd gekommen, im Gegenteil, ich hatte viele unbeschwerte und wertvolle Gespräche und Kontakte.
Tunis ist eine sehr offene, moderne Stadt, ich fiel als Touristin und Frau allein nicht besonders auf. Und ich war teils in Gegenden, wo kein Tourist ist. Und im Hotel in Tunis erfuhr ich eher liebevolle Fürsorge von den Angestellten, ob es mir auch an nichts fehle. Ich war nicht in größeren Hotels, sondern eher kleinen familiären Pensionen,ohne viel westlichen Schnickschnack, aber mit allem ausreichend ausgestattet, für mich war es die richtige Wahl. Besonders die Menschen in der ländlichen Oase Douz haben einen nachhaltigen Eindruck in mir hinterlassen, ich habe nur schwer Abschied von dort und von der Wüste genommen. Ich tat es mit großer Dankbarkeit.

Was mich an der Wüste so fasziniert und nicht mehr los lässt, schwer in Worte zu fassen.
Der Sternenhimmel. Die Weite des Himmels, und wenn der Mond sich verzieht zur Hälfte der Nacht und die Sterne dann so nah erscheinen, als würden sie an der Decke baumeln. Die unendliche Weite der Wüste. Die Stille. Die Formen der Sanddünen, die oft wie menschliche Körper und von Künstlerhand geformt erscheinen.
Das unglaubliche Licht beim Auf- und Untergehen der Sonne. Die Silhouette der Kamele in den Sanddünen, ihre wunderschönen Augen, ihre malmenden Mäuler, ihre Protestrufe am Morgen vor dem Satteln, der gleichmäßige Rhythmus ihrer Hufe. Die Kamele, die mit bewunderungswürdigem Gleichmut, Geduld und enormer Kraft unsere unzähligen Lasten, Taschen, Matten, Wasserkanister, Lebensmittel, und: uns trugen- so wie sie es seit Jahrhunderten in der Wüste tun.
Die datttelförmigen, getrockneten Kamelküddel, mit denen die Bedus und auch wir begeistert Spiele spielten. Die Muster und Spuren der Käfer im Sand. Der arabische Wortlaut der Bedus unterwegs.Das Lagerfeuer in der Nacht. Die Melodie der Flöte, die Klänge der Trommel, das Tanzen von Shibani, mit dem glückseligen Strahlen eines Jungen. Glückseligkeit, wie auch wir mit den Bedus durch den Sand tanzen.Die Wüstenlieder der Bedus, der neckende und liebevolle Umgang untereinander, ihre klaren und ehrlichen Gesichter, ihre gutartigen Augen, der Anblick wie sie wie die Löffelchen nebeneinander im Sand geschachtelt um das Feuer lagern.

Der Duft des im Sand gebackenen Brotes am Morgen. Vergessen die Kühle und Feuchtigkeit der Nacht. Für immer unvergessen der Sternenhimmel. Der Anblick der Bedus, wenn sie Holz für das Feuer sammeln, Gemüse putzen, die überaus köstliche Suppe kochen, den Brotteig kneten und schlagen, ihre ferne Silhouette auf dem Dünenkamm in der Anbetung von Allah. Der Anblick unserer Kamelkarawane (6 Bedus, 14 Frauen, 18 Kamele), wenn sie langsam aus einem Tal die Dünen hochzieht, Gedanken an die Könige aus dem Morgenland auf dem Weg nach Bethlehem, zu huldigen ihrem Gottessohn. Die ewige Schönheit der erhabenen Sanddünen. Die Ergriffenheit und Dankbarkeit für soviel Schönheit, für das Wunder der Wüste, das Wunder des Universums, des Lebens. Und ich, dankbar, dass ich die Tumore überleben und all dies erleben darf.

Monika, im November 2010
|
Wüstentag
Geschrieben Montag, 22. November 2010 von Kathrin Bosch-Gaub
Wüstentag
Ich liebe es vor dem Sonnenaufgang in der Wüste aufzustehen. Ich breite die Kamelhaardecke auf einer Düne aus, setze mich darauf und genieße
den Ausblick. Der Platz ist nach Osten ausgerichtet.Mein Blick schweift über die weite Landschaft und ich sehe die Silhouetten der
weidenden Kamele.Alles liegt noch in Ruhe da. Als ich die Venus wie ein helles Licht auf dem Horizont liegen sehe, erhebe ich mich. Langsam
schwebt der Morgenstern höher und ich beginne zu tanzen. Jede Himmelsrichtung sieht zauberhaft aus. Im Osten malt die Sonne ein
hellrotes Band auf den Horizont. Die anderen Richtungen sind dunkel, noch sind dort Millionen von Sternen sichtbar.
Die Mondsichel liegt da, als wollte sie sich von der Nacht ausruhen.

Nun steigt der Sonnenball in die Höhe. Die Landschaft wird in rosiges Licht getaucht. Ein solches Licht habe ich sonst noch. nirgendwo gesehen!
Ich sehe die Weite der Welt und ich darf dabei sein! Meine Tanzbewegungen erfüllen meinen Körper, ich spiele mit meinem
Schleier im Wind. Ich fühle mich stark und geborgen. In der Ferne sehe ich das Beduinenfeuer auflodern. Ich setze mich auf
meine Düne und betrachte das erwachende Lagerleben. Hin und wieder drehe ich mich in die verschiedenen Himmelrichtungen und genieße die
phantastischen Ausblicke. Nach einer Zeit wasche ich mich und packe in aller Ruhe meinen
Rucksack. Ich begebe mich mit meinem Gepäck zum Lagerplatz.

„Spach alchir“ begrüßen mich die Beduinen freundlich. Meist bin ich die erste beim Frühstück. Ich setze mich auf eine Matte am Feuer. Ich
brauche noch nicht viel zu sprechen, trinke den köstlichen Kaffee und knabbere das leckere Brot. Langsam trudeln die anderen Wüstenfrauen
im Lager ein. Nach dem Frühstück fülle ich meine Wasserflasche mit dem wertvollen, kühlen Nass auf. Seit ich in die Wüste fahre, hat Wasser
eine ganz andere Bedeutung für mich. Das Gefühl in großer Hitze die Wasserflasche, die durch das Hängen am Kamel kühl geblieben ist, an
den Mund zu setzen.und das Wasser die Kehle herunter rinnen zu lassen, ist einfach unbeschreiblich.Vor allem das frische Wasser vom neuen
Brunnen Tembain schmeckt so süß und ist schön kalt. Die Beduinen schwärmen auch davon:“ Mä berida wu helu“
In der Zwischenzeit haben die Beduinen die Kamele eingesammelt. Bewundernswert, wie sie alle Tiere am Morgen einsammeln, da sie sich
in der Nacht oft kilometerweit entfernen. Ich kann nun wählen:Frühsport oder Kamel satteln. Meistens helfe ich
beim Satteln. Es ist eine immer wieder kehrende Reihenfolge von Handgriffen. Natürlich ist es auch körperliche Arbeit, wenn die
schweren Wasserkanister oder das Beduinenzelt auf die Kamele gehoben werden müssen.

Mittlerweile weiß ich welche Last wann an welchem Kamel befestigt wird. Für mich hat das Beladen der Kamele etwas meditatives. Schritt für
Schritt in gemächlicher Ruhe wird alles aufgeladen. Wenn ich zu Hause mal nicht schlafen kann, belade ich im Geiste die
Kamele und komme so irgendwann in einen glücklichen und erholsamen Schlaf. „Chrallas!“ alles ist fertig. Die Karawane bricht auf. Auch dies ist ein
besonderer Augenblick. Wir lassen nichts zurück, außer die Reste des Feuers, welches auch bald verglüht ist.
Langsam laufe ich in den Morgen hinein. Noch ist die Luft kühl und frisch. Ich bin hellwach und aufmerksam, obwohl ich so früh aufgestanden
bin. Es geht über riesige Sanddünen, die ich hoch und runter laufe. Ich entferne mich ein Stück von der Karawane und genieße den Blick auf die
gemächlich und doch zügig gehenden Kamele und Menschen. Nach einer Zeit habe ich Lust mich zu unterhalten und halte ein Schwätzchen mit einer meiner Wüstenfreundinnen.
Nach ca. 2 Stunden hält die Karawane an: „Baschgut“(Keks pause!) Wir schmeißen uns in den Sand, das Wasser schmeckt wieder köstlich!
Ich zücke mein Vokabelheft um wieder neue Wörter zu lernen.

Die Beduinen freuen sich, mir Wörter zu schenken. Das Arabische ist keine einfache Sprache, in jedem Landesteil wird anders gesprochen, es gibt viele
verschiedene Wörter, die die gleiche Bedeutung haben. Ich aber sammele fleißig, es macht großen Spaß. Wenn ich in Deutschland Auto fahre,
höre ich ständig meine Tunesisch-Vokabeln. So erhole ich mich während meiner Arbeit und bin dann immer wieder ein bisschen in der Wüste. Es
entspannt mich im Alltag.Außerdem kann ich nun mit arabischen Menschen einigermaßen kommunizieren.Das kommt auch meiner Arbeit
sehr zugute! Nach der Kekspause geht es weiter. Mittlerweile ist es ziemlich heiß geworden.Dadurch dass es eine trockene Hitze ist, kommt es mir jedoch
nicht so heiß vor. Ich habe meinen Wüstenbauchgurt mit der Wasserflasche immer dabei, so dass ich jederzeit trinken kann.
Mittlerweile haben wir die großen Dünen hinter uns gelassen und es geht durch eine Ebene mit Tamariskenbäumchen. Immer wieder sehen wir
Blumen. Auf einige sind die Kamele so richtig scharf. Wir Frauen schaffen von allen Seiten Phallus-ähnliche Schmarotzer Blumen herbei,
um unsere Kamele zu erfreuen. Ich versuche mit meinem gelernten tunesisch Arabisch mit den Beduinen zu kommunizieren. Mit den Vokabeln und Händen und Füßen klappt
es erstaunlich gut.

Mittagspause!
Ich helfe die Kamele ab zuladen, dann suche ich mir einen schönen Platz im Schatten eines Tamarisken-Bäumchens. Obwohl es sehr heiß ist und
ich den ganzen Morgen zügig gegangen bin, fühle ich mich immer noch nicht müde oder kaputt. Ich gehe ich von Tamariske zu Tamariske und
bin auf der Suche nach dicken trockenen Ästen. Holz ist wichtig, damit gekocht werden kann! Es macht mir Spaß Holz zu suchen. Ich schlinge
mein Seil um die dicken Äste und schleife meine Beute ins Lager. Es ist herrlich für mich, dass ich eine so ursprüngliche und wichtige körperliche
Arbeit verrichten kann! Jetzt lege ich mich auf meinen Platz in den Schatten, trinke einen großen Schluck Wüstenwasser und halte ein kurzes Schläfchen.
Ich wache vom Klopfen des Brotes auf und höre den Ruf: „Frauen Mittagessen!“

Oh, wie freue ich mich auf das leckere Mal. Die Beduinen haben ein Zelt gegen die Sonne aufgebaut. Wir Frauen sammeln uns darin. Die
Seitenteile sind hochgeklappt, so dass der fast immer wehende Wind besser als jede Klimaanlage wirkt.
Wenn mich der Wind in der Sahara bei der größten Hitze streichelt und erfrischt, empfinde ich es als überaus beglückend. In unserer Welt gehen
Empfindungen dieser Art durch die Fülle der Dinge unter. In der reduzierten Wüstenwelt empfinde ich eigentliche Selbstverständlichkeiten als
absoluten Luxus. Ich brauche viel weniger um glücklich zu sein! Das trage ich auch in meine Welt zurück...
Zum Mittagessen gibt es tunesischen Salat. Das ist unser aller Leibgericht! Wir Frauen freuen uns über die frische Kost aus Kohl,
angegartem Gemüse, Thunfisch und den leckeren Oliven! Zum Nachtisch gibt es die besten Orangen, die ich je gegessen habe. Sie
schmecken so was von saftig-süß! Der grüne Tee, der während unserer Mittagspause gereicht wird, ist absolut Durst löschend.Wir Frauen
bleiben noch eine Weile in unserer Runde, eine liest eine lustige Geschichte vor. Nun ist Siesta angesagt. Wir verziehen uns in Grüppchen, oder
alleine, so wie Frau es mag, zu unseren Mittagsschlafplätzchen. Ich liege neben meiner Wüstenfreundin unter der Tamariske im
Schatten, es ist heiß, aber immer wieder streichelt mich ein Windchen. Hin und wieder schlafe ich ein, wache auf, betrachte die Landschaft, neben uns
knabbert eine Eidechse an einer kleinen blauen Blume.Es ist so erholsam, kein Telefon klingelt, ich muss keine E-Mails checken, ich kann einfach
nur faul da liegen, kann einfach nur sein! Ich beobachte, wie sie Beduinen die Kamele einsammeln.

Ich begebe mich zum Lagerplatz und fülle meine Wasserflaschen auf. Jetzt kann ich wieder beim Satteln helfen. „nehebb narkab“ Ich möchte reiten. Edi schaut,
dass mein Kamel bequem gesattelt ist. Wenn ich darauf sitze ist es fast so wie auf einem Sofa!
„Challas!“ Alles ist fertig.Ich besteige mein Kamel und fühle mich wie eine Königin. Die Blickweise von oben ist noch einmal eine ganz andere.
Ich fühle mich erhaben und dem Himmel nah. Die Karawane zieht los. Ich sitze auf dem schaukelnden Wüstenschiff, meine Gedanken ziehen an
mir vorbei. Ich nehme die Landschaft, die Weite, die unbeschreiblichen Glücksgefühle ich mich auf und trage sie tief in meinem Herzen.
Auch das Reiten hat etwas Meditatives. Die Bewegungen der Kamele mit der grandiosen Aussicht lassen mich in einen Tranceähnlichen
Zustand fallen. Am späten Nachmittag sinkt die Sonne tiefer, die Beduinen suchen eine Lagerplatz, an dem wir die Nacht verbringen werden.
Und was das wieder für ein schöner Platz ist! Am Ende der Ebene, gesäumt von hohen Sanddünen schlagen wir unser Lager auf. Die
Kamele werden wieder abgeladen und versorgt. Ich reibe mein Kamel trocken, es hat unter dem Sattel ziemlich geschwitzt. Mit einem Stückchen
Brot bedanke ich mich bei ihm für das Tragen. Jetzt ist wieder Zeit zum Holz sammeln. Ich freue mich, dass ich einen besonders dicken alten
trockenen Stamm finde. Nun suche ich mir einen Schlafplatz. Die Gegend ist so schön, dass mir die Wahl schwer fällt. Wie meistens entscheide ich mich, die Dünen hoch zu
steigen, schultere meinen Rucksack und gehe los. Welch ein grandioser Ausblick! Jeden Abend denke ich, einen schöneren Schlafplatz gibt es
nicht, aber irgendwie sind sie immer schön. Ich richte mich ein, merke mir die Himmelsrichtungen, damit ich auch in der Nacht orientiert bin. Dann packe ich meine Feuchtücher aus, wasche
mich und „dusche“ mit Rosenhydrolat. Ein herrliches Gefühl so sauber und frisch zu sein.

In mir regt sich die Lust zu tanzen. Die Sonne wir gleich untergehen und das ist wieder ein magischer Moment, den ich am liebsten tanzend erlebe.
Ich klettere noch zwei Dünen hoch, stöpsele mir meine Musik in die Ohren und bewege mich zur untergehenden Sonne. Ich bin allein mit
meinen Bewegungen, meinem Körper und meine Glücksgefühle gehören nur mir! Der Himmel hat sich Granatapfel Rot verfärbt, die Sonne
verschwindet wie ein glühend roter Ball am Horizont. Ich setze mich hin, stelle die Musik aus und genieße die Ruhe, den
Himmel und das alleine sein. Nach einer Zeit schlendere ich zum Lager runter. Vorher stelle ich mein
Positionslicht auf, damit ich später im Dunkeln meinen Schlafplatz wieder finde. Wie gemütlich das ist! Die Beduinen haben mit den Kamelsätteln und
den Matten einen Sitzkreis gezaubert. Das Essen bruzzelt auf dem Feuer, einige Frauen sitzen schon lachend im Kreis. Ich setze mich
dazu und freue mich mitlachen zu können. Wir reichen als Vorspeise Nüsse herum, die nach der körperlichen
Anstrengung des Tages sehr gut tun. So langsam sind alle Frauen eingetrudelt. Heute gibt es Cous-cous, mein
Lieblingsessen!Wie immer essen wir vorher eine schmackhafte
Tomatensuppe.
Das Essen in der Wüste hat mir auch für zu Hause gut getan. Plötzlich brauche viel weniger, mag kein Fett mehr, was meiner Figur sehr zugute
kommt. Irgendwie komisch, wie die Wüste einen verändert! Und das ganz ohne Stress!
Zum Nachtisch gibt es Datteln. Das ist die beste Süßigkeit! Nach dem Spülen und aufräumen gibt es heißen Tee.
Einer der Beduinen spielt Flöte, ein wundervolles Instrument! Danach wird getrommelt. „Die Trommel ist für den Bauch und die Flöte ist für
das Herz“, das ist ein altes wahres Sprichwort. Ich kann gar nicht anders, die Musik ist so verlockend, dass ich anfange
zu tanzen. Nach und nach kommen die anderen Frauen dazu, auch die Beduinen bis fast alle fröhlich ums Feuer tanzen.
Es ist schön mit allen so ausgelassen zu sein! Nach dem Tanz fallen wir auf unser Kamelsattelsofa und schlürfen den
Rest unseres Tees. Das Feuer brennt langsam herunter, Ich lehne mich zurück und sehe
Millionen von Sternen. So langsam löst sich die Feuer-Runde auf. Ich suche mir eine Matte
und eine Decke und fixiere mein Positionslicht an.“Leyla saida“ Gute Nacht!
Eine gute Nacht werde ich haben! Doch erst klettere ich die Dünen hinauf zu meinem Schlafplatz.
Ich putze meine Zähne, lege meine Matte zurecht, und schlüpfe in meinen
Schlafsack. Über mir ist das Sternenzelt, ich sehe viele Sternschnuppen
wünsche, wünsche ….Eigentlich brauche ich nichts zu wünschen, denn ich bin
wunschlos glücklich!
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Dromedartrekk im Akakus in Libyen
Geschrieben Freitag, 22. Januar 2010 von Carola
Reisebericht „Libyen“ von Carola
Neulich habe ich gehört, wie jemand von der „Heimat der Seele“ erzählte, und ich fing an aufmerksam zuzuhören, denn treffender könnte ich keinen Ausdruck finden für das, was mit mir geschehen ist seit ich „in der Wüste“ war.
In der Wüste habe ich den Platz gefunden, an dem meine Seele zu Hause ist, ganz sicher.
Allerdings wird diese, meine Seele, mit nur dem Gefühl daheim zu sein nicht zufrieden, sie wird nämlich auch noch von ganz anderen Motoren bewegt. Sie hat große Neugier, ist nimmersatt nach Erfahrung und Ausprobieren, und richtet sich ihre „heimatliche Wohnung“ schrecklich gern immer wieder neu und ein bißchen anders ein.
Doch sie braucht vor allem anderen Weite und Unendlichkeit um sich, einen Horizont, der aus der Erde eine Scheibe macht, und das Freiheitselixier überall hingehen zu können, wohin die Füße mögen. Und genau das gibt es in der Wüste.
Meiner Seele und der Suche nach „Heimat“ gerecht zu werden ist also zu meinem Dauerziel geworden. Deshalb brauchte ich genau 3 Sekunden für mein „Ja“.
Uschi Schilkes (ELMIDA) Angebot an mich war die Reisebegleitung einer Pilot-Reise nach Libyen, und wie das meistens ist bei ELMIDA, sollte auch diese eine Reise ausschließlich für Frauen werden.
Die Anfragen waren zahlreich, das Interesse groß, tatsächlich dabei waren außer mir 11 andere Frauen.
Für 10 von den 11 Angemeldeten war der Gang in „die Wüste“ Neuland, nur eine hatte sogar bereits Libyen bereist, so waren die Abende der Vorbereitung voll Spannung auf die kommenden Erlebnisse und voller Fragen, die ich beantwortete, so gut es eben geht bei einer Neutour.
Ich zerstreute viele Bedenken, die allgemeinen Gefahren in der Wüste betreffend, verströmte meine Vorfreude, weckte Appetit auf Ungewohntes und beglückwünschte sie alle zu dem Entschluß dieses Abenteuer zu wagen.
Meine Vorfreude auf das „Glück der Weite“, die Erkundung magischer Landschaften, das meditative Kamelreiten, die Bekanntschaft mit den Wüstensöhnen, schwappte über auf die Gruppe und bis zur Anreise prasselte dann aus meinem Telefon Besorgtes, Verzweifeltes, Ängstliches, aber vor allem aufgeregt Vorfreudiges..
Die „11“ boten mir einen weiten Fächer an Herkunft, Beruf, Alter, körperlicher Verfassung, background und Beweggrund für diese Art der Unternehmung. Also wird die Reise auch als Gruppenerlebnis spannend werden, dachte ich und packte.
Ich packte also mal wieder, oberstes Gebot für die „Méharée“ ist reduziertestes Gepäck ! Bei jeder Tour geizt man gekonnter mit den Grammzahlen, immer neue Tricks werden angewendet, damit das Bündel klein wird. Neuester Tipp einer Wüstenfreundin sind z.B. Slipeinlagen, an Stelle von Unterhosen für 3 Wochen. Das Equipment wird immer Minimum raffinierter, aber vor allem merke ich mir auf jeder Tour ein paar Dinge mehr, um die es weniger werden könnte, die man doch nicht braucht und lasse sie beim nächsten Mal weg!
Mein ausgeklügeltes Gepäckstück erreichte dann den Zielflughafen nicht gleichzeitig mit mir, erst einen Tag später, aber ich hatte es als Übung verstanden und schon angefangen zu überlegen, ohne was alles oder ob`s ganz ohne geht.
Das sind so ungeplante Widrigkeiten (wer plant schon Widriges?), wie die schlimme Zugverspätung, die uns fast alle den Flieger verpassen ließ, und noch ein paar andere holperige Situationen, die aber jetzt im Nachsinnen, im Abgang, kaum noch spürbar sind.
Zu groß ist der Abdruck des Erlebten, zu gewaltig die Spur, die wir selber hinterlassen durften im Sand der Dünen. Eine Erinnerung, die keinen Platz gelassen hat für Nörgeleien um Unpünktlichkeit oder irgend etwas nicht Eingehaltenes. Ich denke an ein überwältigend wunderschönes, großzügiges Geschenk, das uns die Luft anhalten läßt vor Begeisterung, und würde man dann anfangen am Geschenkpapier rumzumäkeln?
Nein, denn den heiligen Moment des Ergriffenseins möchte ich durch nichts verderben.
11 Frauen sind also an Bord gegangen, jede voller Erwartung. Und mein in die Runde schweifender Blick stellte schnell fest, daß ich auch diesmal die Hilfe der Magie brauchen werde, die mir so vertraut geworden ist auf meinen Touren in die Unendlichkeit. Die Zauberkraft der Wüste, die so gekonnt Emotionen lostritt und dabei nur die echten Gefühle zuläßt, die die Traurigen tröstet, die den Ängstlichen Geborgenheit schenkt, die aus den Zugeknöpften Freimütige macht, den Verschwiegenen die Zunge löst, die Aufgekratzten zur Ruhe bringt und Wünsche, die bisher verborgen waren, freilegt. Ja, dachte ich zu Beginn der Tour, diese Magie habt ihr alle mitgebucht! Und freute mich schon sehr auf die Metamorphose der „Herde“. Ein Labsal ist das erste fröhliche Gelache in Tozeur beim Kauf und Probieren des Schechs (Kopfbedeckung für die Wüste). Zwar sind die ersten Eindrücke zunächst tunesisch-orientalisch, aber der Fokus ist bereits eingestellt auf die andere Welt, und wir besteigen am Morgen darauf schnatternd wie ein Harem den kleinen Bus Richtung libysche Grenze. Auf dem langen Weg durchqueren wir den Chott el Djerid, das riesengroße Salzseengebiet in der Sahara, eine lange Fahrt, arabische Musik füllt dabei die Ohren, 12 Augenpaare träumen sich an den Horizont, die Gedanken purzeln und das Liebes-Paar „Neugier-Vorfreude“ umarmt sich. Aus der Horizontlinie werden dann sanft geschwungene Bögen, die Landschaft ergießt sich malerisch als Dahar-Gebirge vor uns. In einer Höhle, die traditionell den Berbern als Wohnung diente, wartet Couscous auf die hungrigen Besucherinnen, danach geht`s zur Grenze, die wir überraschend schnell passieren dürfen. Wir sind drin!
Tripolis empfängt uns zusammen mit Muammar al Kadhafi, der auf zahlreichen Plakatwänden für sein Volk und uns posiert. Und an dieser Stelle muß ich unbedingt etwas los werden und hoffe sehr, daß ich den richtigen Tenor treffe, was in politischen Fragen nicht immer ganz einfach ist. Ich bin mit großen Fragezeichen zu dem bei uns allgemein (ich drück mich mal harmlos aus) „verpönten“ Staatschef Libyens im Kopf in sein Land eingereist und kehrte mit einigen bei Seite geschafften Vorurteilen (soweit das überhaupt möglich ist als Kurz-Zaungast) wieder heim. Mir begegnete ein Staat, in dem ich als Zuschauer feststellen konnte, daß Libyer sehr gern in ihrem Land leben. Ein gut verteilter mäßiger Wohlstand, den man beobachten kann, sorgt wohl wirklich dafür, daß Zufriedenheit aufkommt. Echte Armut gibt es fast nicht, Bildung für alle wird geboten, gefördert, erwartet. Sprit kostet z.B. (da ohne Steuern) 8 Cent je Liter. Herr Kadhafi hat innenpolitisch, so habe ich es jedenfalls gespürt, viel Gutes geleistet.
Ein kleines Beispiel nur für die Lehrstückchen der arabischen Welt, von der wir so wenig wissen, aber so viel glauben be- und verurteilen zu können, möchte ich hier auftischen, aber das ist wirklich nur ein kleines Beispiel für so manches, das man uns in Libyen beigebracht hat mit unseren Augen mal von der anderen Seite zu betrachten, und nicht nur die Empörung einiger Frauen über die Übersetzungspflicht unserer Pässe wandelte sich schnell in Schamesröte. Man erklärt uns nämlich freundlich, daß man zur Einreise ins Kadhafi-Land darauf sofort verzichten würde, wenn wir Europäer es umgekehrt auch so handhaben würden. Einen Japaner, dessen Pass in Europa auch keiner lesen kann, lässt man bei uns nämlich selbstverständlich ohne Pass-Übersetzung einreisen, einen Libyer eben nicht. Wir bekommen laut Staatschef-Anweisung einen Security-man mit auf die Reise. Soll der darauf achten, daß wir nichts Verbotenes tun? Er sei bewaffnet, erfahren wir. Sehr bald merken wir, daß dieser symphatische Mensch auf uns aufpasst. Sein Name ist Bashir, woraus wir bald den Spitznamen Baci ableiten, italienisch für „Kuß“ und uns ein Eis schmelzendes Lächeln dafür eintauschen. Ein sehr sicheres Land für Besucher also, keine Zwischenfälle in mehr als 10 Jahren, aber in Grenznähe zu Algerien, man weiß nie. Und Herr Kadhafi wünscht, daß alle Gäste sicher reisen. Auch das ist plötzlich ein gutes Gefühl.
Ein Inlandsflug bringt uns nach Sebha, von da geht es mit Umweg über Germa, das ehemalige Reich der Garamanten, ins „Wüstencamp“. Das ist eine Herberge der besonderen Art. Übernachtet wird in festen Häusern, es gibt nochmal warme Duschen und kuschelige Bettdecken, aber im Innenhof des Geländes steht ein großes Zeltschloß, ein aus bunten gewebten Decken gefertigtes Nomadenzelt. Und dort warten sie, die Tuareg, die Herren der Wüste, unsere gespannten Gastgeber, in langen Gewändern, mit gewickelten Turbanen, in Pose auf Matten gelagert, wie hingegossen. Ein Frauen freundlicher Anblick, denke ich, und lasse mir einen köstlichen bittersüßen Tee reichen. Trotz verhüllten Gesichtern, denn das gilt als sehr höflich unter Tuaregs in Gegenwart von Fremden, kann man die echte Freude erkennen über den „Kessel Buntes“, der so nach und nach aus den Zimmern Richtung Partyzelt strebt. Soviel fremde Weiblichkeit zu Gast zu haben ist eine Herausforderung für die im Matriarchat geschulten Jungs uns allen einen Grundkurs in Huldigung zu verpassen. Und das haben sie drauf. Nach nur einer Woche ist „Frau“ sein anders geworden. Und „sie“ wird für den Rest ihres Lebens dazu verdammt sein wenigstens in einem Eckchen des Herzens danach zu hungern und zu dürsten „so“... behandelt zu werden.
Zum Begrüßungsfest spielt zu unserer Überraschung eine echte Band mit Verstärkern und großen Boxen, aus denen Tuareghits irre laut über den Innenhof geplärrt werden. Die Szenerie ist unwirklich, Musiker in dunkles Blau gewandet, die Gesichter verhüllt, alle Hüften drehen sich irgendwie orientalisch, alles lacht und singt, nein, grölt irgendwas, was den Tamaschek-Texten ähnelt, Fröhlichkeit pur und ein maßloser Himmel breitet sein Sternen besticktes Nachtgewand darüber.
Es gibt für mich nichts Schöneres, als mit einem gezückten Stift vor einem leeren Blatt zu sitzen und meine Gedanken auf die Koppel zu lassen, zurück erinnern, auf der Zunge zergehen lassen und die richtigen Worte suchen, für ein Erlebnis, eine Erfahrung und Erkenntnis, ein Gefühl. Heute vor dem Schirm kommt mir dieses Bedürfnis besonders drängend vor.
Ich habe es irgendwo gelesen: „Sprache soll mir helfen nicht aus der Welt zu fallen“.
Aber gleichzeitig ist mir etwas flau im Magen, gilt es doch hier etwas zu beschreiben, das „sprachlos“ macht, für das wir alle, die dabei waren, das Wort „unbeschreiblich“ verwenden würden. Wird es mir möglich sein das Wesentliche wenigstens ungefähr so zu schildern, wie es war.
Das Trekking mit den Kamelen, meine ich, die Woche mit den Tuareg, mit ihnen zusammen unterwegs gewesen zu sein. Wie soll ich nur für diese Erlebnisse die richtigen Worte erfinden? Dem Aufruhr der Gefühle gerecht werden? Die Gratwanderung zwischen Tatsachenbericht und romantisierender Schwärmerei kann ich gar nicht hinkriegen. Ist es doch gerade dieser eigenartige Zustand, genau der Realitätsverlust bei dieser Art Unternehmung, weswegen man sich dorthin begibt. Wir wollten das Märchenland besuchen, uns 6 von 1001 Nacht gönnen und uns täglich dabei in den Arm kneifen, um sicher zu sein, wir sind dabei. Ach, was soll`s? Ich gratwandere einfach drauflos! Ein bißchen wenigstens!
Dazu brauche ich aber zumindest ein stabiles Gerüst, um die Erinnerung zusammenbauen zu können, und meine Gedanken filtern 4 Säulen heraus aus dem Mischmasch in meinem Kopf.
Die Landschaft! Die Tuareg (of course)! Die Kamele! Und die Erfahrung mit sich selbst!
Diese 4 zusammen tragen dann das Ganze, das Gruppenerlebnis! Ja, so geht`s!
Die Landschaft bekommt Säule Nr.1! Sie begegnet uns täglich mit gewaltiger Wucht. So stark sind die Bilder, in die wir unsere Augen tauchen dürfen. Der Künstler in mir schlürft Farben und Licht und juriert voller Bewunderungs-Neid die Bildhauerarbeiten der Evolution. Während der Körper sich Schritt um Schritt vorwärts tragen läßt, spaziert der Geist am Horizont, nimmt die immer wieder anders werdende Silhouette und den dort allabendlich versinkenden Feuerball der Sonne wie Geschenke entgegen. Am Fuß des Akakus-Gebirges gleitet unsere Karawane durch knochentrockene Wadis (Flußtäler), hangelt sich sandige Dünen hinauf und hinunter, strauchelt vorsichtig über Geröllplateaus, findet am Mittag die richtigen Felsbrocken zum Schutz vor der Sonne, zur Nacht vor Wind und Feuchtigkeit. Wir taumeln durch bizarre Mondlandschaften, entdecken immer wieder frühmenschliche Höhlenritzereien und staunen, mal ergriffen schweigend, mal quietschend vor Glück.
Absatz!
Säule Nr. 2! Die Tuareg, die in diese Landschaft gehören, wie die Überraschung ins Ei! Der Begleittrupp Tuareg-Männer bekommt nach und nach Namen und Gesicht, die Tücher, die die Identitäten bis auf die Augenpaare vollkommen verhüllt hatten, fangen an zu rutschen. Wir unterscheiden bald Yachja, den Boss, Hamma, Buchardi, Bilal, Kasim und Risa, die Kamelführer, Dafris, den Helfer für alles, Taher, den Wüstencampbesitzer, Achmed, den Studierten, Englisch sprechenden und Haruna, den Koch. Abends am Feuerplatz wird nach dem Essen, das Geschlechter getrennt eingenommen wird, geäugt und erzählt, Tee getrunken, gesungen, gespielt und wahnsinnig viel gelacht. Wir werden behutsam und sicher geführt, respektvoll behandelt, eine besondere Art Ritterlichkeit umgibt uns die ganze Zeit in Gegenwart der Männer, die so besonders und echt sind, wie das Fleckchen Erde, in das sie hineingeboren wurden. „Diese Land gehört uns, es ist Tuareg-Gebiet“, erklärt mir Achmed pathetisch, „nirgends auf der Welt seid ihr so sicher wie hier“, und ich schenke ihm Vertrauen.
Nach einer Woche haben wir eine vage Ahnung entwickelt, was die Kultur dieser Männer geprägt hat, wir wurden davon nur gestreift, aber in meinem Wortschatz finden längst verschüttete Begriffe wieder einen Platz. Stolz, Würde, Freiheit! Und ach...wie soll ich es anders sagen? Meine Welt ist ganz einfach reicher geworden, seitdem sich dort Tuaregs tummeln.

Säule 3! Die Kamele, unsere Reitdromedare, wurden von Ihren Besitzern natürlich mit Bedacht gewählt. Sollten sie doch kostbarstes Frauengut tragen, mit sicherem Schaukelgang, gehorsam hinknien und aufstehen, ausdauernd, elegant, geländegängig. Der Tuareg-Sattel befindet sich vor dem Höcker, die Füsse gehören auf den Hals des Tieres und werden dort, wenn man richtig reiten kann, zum Lenken benutzt. Eine Woche reicht nicht aus zum richtig Kamelreiten lernen, nur zum sich-genüsslich-tragen-lassen, sicher am Leinchen geführt, und zum-sein-Reitdromedar-richtig-doll-mögen reicht`s, zur Schaukeltrance-Erfahrung reicht`s, zum-hoch-oben-sein und zum-sich-erhaben-fühlen-wie-eine-Wüstenkönigin. Wenn das nichts ist?

Säule 4! Die Selbsterfahrung jeder einzelnen Frau macht den individuellen Kick einer jeden Tour aus, denn der Wüstenzauber lockert die Schrauben der Frauen auf so unterschiedliche Weise, daß der Emotionenreigen in schillernsten Farben ausbricht. Jede in den Wüstensand geweinte Träne, jeder Sternschnuppe hinterher gesandte Wunsch, jede im Ödland vergessene Sorge, jede menschennahe Umarmung im Land der Weite, jeder kinderfroh gekicherte Lacher ist eine Offenbarung, die wir nie vergessen werden.
Jetzt frage ich mich nur noch, was wir drauf gebaut haben, wir 12 Frauen, auf unseren Säulen?
Jede für sich, und alle zusammen?

„Ich ging von der Vernunft in das Gefühl, von der Sicherheit in das Abenteuer, vom Rationalen in den Traum“. Ich bedanke mich bei „Remarque“, daß er für mich die richtigen Worte gefunden hat. Edelgard, Dorothee, Isa, Sabrina, Helga, Ute, Sandra, Michaela, Heidrun, Petra, Karin und ich.
Eine Herde waren wir ganz sicher!
Und die Metamorphose konnte ich nicht nur in meinem Herzen spüren, ich konnte sie auch auf Euren Gesichtern sehen.
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Liebe Wüsten-Mädchen
Geschrieben Donnerstag, 14. Januar 2010 von Carola
Liebe Wüsten-Mädchen,
Das schöne Buch mit vielen leeren Seiten, das ich mit Bedacht gewählt hatte, in der Erwartung es mit all meinen wundervollen Gedanken zu füllen, wenn ich in der Wüste sein werde, liegt jetzt nach der Reise immer noch genauso leer und unberührt vor mir. Es ist zusammen mit mir in Tunesien gewesen, wir hatten gemeinsame Erlebnisse dort, die es verdient gehabt hätten in meine Worte gefasst in eben dieses Buch hinein geschrieben worden zu sein, doch es blieb bis hierher ein leeres Buch.
Zu gewaltig war der Eindruck, den all der Sand, die Weite, die Reinheit der Natur auf mich gemacht haben, zu echt und ernst wuchsen meine Gefühle dort in der Wüste für Menschen einer bis dahin so fremden Welt, als dass ich hätte auch nur einen Satz formulieren können, um ihn fest zu halten in dem Büchlein.
Aber zum ganz großen Glück ist der Abdruck auf meiner Seele geblieben. Ich habe einen Schatz in mir, und hüte den passenden Tresorschlüssel mit der Kombination. Täglich, minütlich, wann immer ich mag, kann ich das Türchen öffnen und mich an meinem Wüstenschatz weiden. Inzwischen habe ich eine Technik entwickelt, bei der ich nicht mal die Augen schließen muss. Dort hingeträumt finde ich Frieden von der Sorte 1A, kann auftanken, meinen Blutdruck senken, Probleme schrumpfen und Glück trinken.
Ihr Mädchen habt zur gleichen Zeit dasselbe Land gesehen, seid fast den gleichen Weggegangen, doch, ich bin da ganz sicher, jede von Euch hat eine vollkommen andere Reise gemacht.
Habt Ihr in der Wüste auf ein Abenteuer gehofft, es gefunden? Nach Selbstvergessenheit gesucht oder Euch verloren geglaubt und dort wieder finden wollen? Wolltet Ihr besinnlich sein oder quietsch-happy, sorglos und frei? Ward Ihr auf der Flucht vor etwas oder auf dem Weg zu etwas Neuem? Oder seid Ihr hineingeschlittert, "ach, ich buche mal Wüste, mal was anderes!" Und seid Ihr angenehm überrascht gewesen oder überrumpelt oder gar enttäuscht?
Vor mir liegt der Zettel mit all euren Namen und Anschriften, und ich versuche mir Euch dazu zu denken. Denn die Wüste und meine Gedanken an meinen ersten Weg dorthin sind mit Euch allen verknüpft. Ich lasse mir nach Lust und Geschmack revue passieren, wen und was es so gab auf unserer Reise. Die Begegnung am Flughafen, der erste Eindruck von Euch, der innerhalb von Tagen dann metamorph tätig geworden ist, und jede Frau in eine ganz andere verwandelte. Unsere ach so gute gemeinsame Zeit! Durch Euch war`s für mich ein echtes Multi-Erlebnis. Eine Palette an Lust an der Lustigkeit, ein Spektrum von Gesprächen mit Herzblut beim Laufen, gespürte liebevolle Hilfe, Trost und Verständnis, entblößte Momente, auch Geständnisse, echte Tränen, ab und zu ein Tröpfchen Bitteröl, ein Hauch Unverstand, ein Quäntchen Egoismus. Beim Abschied ward Ihr für mich in 15 Tagen gereift, alle, zu ganz anderen Frauen geworden, als der erste Moment der Begegnung versprach.
Die Wüste war`s, die Euch für mich alle neu zubereitet, gewürzt, angerichtet und serviert hatte. Der Tisch war mit Euch reichhaltigst gedeckt. Ich hatte viel Zeit, habe mir Euch alle nach und nach einverleibt, von genüsslicher Schlemmerei bis zur schwer verdaulichen Kost war alles dabei. Zurück in Deutschland am Flughafen war ich dann richtig satt. War einen Moment lang sogar froh gewesen, wieder für mich zu sein, ohne viele Frauen.
Jetzt, Wochen danach, weiß ich, dass wir verbunden sind, etwas uns gemeinsam bleibt für immer. Ihr alle seid meine Wüsten-Frauen geworden und mein Herz hat einen richtigen Hüpfer gemacht, als ich eine klitzekleine Auslese von Euch bei meiner Vernissage wiedergesehen habe.
An dieser Stelle muß ich unbedingt mein Reneli erwähnen, mein Herzkind, meine persönliche Begleitung, die mir in den 15 Tagen noch mehr Freundin geworden ist. Außerdem Seelsorgerin, Dompteur, Adjutant und wie uns allen eine perfekte Krankenschwester.
In einer besonderen Wüstennacht hat dann eine "Sterne-Schnuppe" ihre Wünsche losgetreten. Sie ist nun fest entschlossen das Krankenhaus gegen die Uni zu tauschen. Wenn alles gut klappt wird sie ab Herbst "angewandte Wirtschaftssprache Arabisch" in Bremen studieren.
Wie gut ich das verstehen kann. Was für ein Privileg, wenn man sprechen, sich verständigen kann mit Worten. Die Beduinensprache zu können ist bestimmt noch wertvoller. Ich war glücklich, denn mein gutes Französisch hat mir schnell möglich gemacht Brücken zu schlagen. Die Fremdlinge sind mir so nah ans Herz gerückt, dass der Abschied sehr weh tat.
Ich habe sicher irgendwann mal das Beispiel mit den Erdbeeren gebracht. Hast Du nie welche probiert, weißt Du nicht, was Dir fehlt zur Erdbeerzeit!
Beduinen sind keine Erdbeeren, ich weiß! Aber sie fehlen mir so. Und wann bitte schön ist nicht Beduinenzeit?
Ich muß die Jungs ganz besonders oft stören in meiner Schatzkiste, denn es ist fast unmöglich ohne soviel liebevolle Umsorgtheit hier wieder zu recht zu kommen. Wer backt mein Brot in aller Herrgottsfrühe? Wer findet für mich den richtigen Weg? Wer ruft mich zur Keks-Pause? Wer singt, trommelt, tanzt für mich? Wer kümmert sich um "Matte-Decke" zur Nacht? Wer bindet meinen Schech?
Verdammt noch mal! Ich sterbe noch an gebrochenem Herzen. Ich liebe sie alle 8!!
Und noch eine Spezies ist in meinem Kämmerchen eingesperrt. Unsere Kamele! Mein Kamel, das ich "Karlchen" getauft habe, eine Majestät, der Junge! Und Renas Knuddelkamelchen Nassarak, das sich sogar küssen ließ. Und das Tomaten-Kamel von Ali, das so gern Couscous frisst. Und alle natürlich! Diese schluffige Lässigkeit der Bewegungen, die kraftvolle Grandezza, die drömelige Ausdauer. Wer möchte von diesen Eigenschaften nicht lernen? Dafür erträgt man sogar gern manch Kamelfurz.
Für meinen Kanaren-Trip im Januar wählte ich ohne Umschweife eine Unterkunft in einer ehemaligen Kamel-Station mit Namen "Casa de los camellos". Kann nur gut werden....
In meinem Schlafzimmer hängt ein Literatur-Kalender. Wochenweise gibt`s ein neues Blatt. Ich klappe um am Montag, den 4. Dezember und könnte ausrasten.
Ein Wüstenfoto ! Unterbeschriftet: "Die Wüste ist, das sag ich leise donnernd, ein Ort, wo es an allem fehlt, was gut und herrlich ist."
Wer zum Teufel ist MAX GOLDT? So ein Idiot!!!
Genauso ein Idiot hat wohl auch die Bedeutung des Wortes "wüst" definiert. Im Sprachgebrauch wird das ja für fürchterliche Zustände benutzt. Wenn etwas verwüstet wurde, ist es hinüber, unbrauchbar, zerstört. Ich weiß es seit ein paar Wochen besser.
Wenn ich jetzt etwas "verwüste" schaffe ich Weite und Reinheit, Frieden und Harmonie.
Man müsste für die Beschreibung der Sahara, wie sie mir begegnete ein neues Adjektiv finden, so schön ist die Wüste, so sauber, so perfekt in Form und Farbe und so arm unsere Sprache.
Meine Familie, Freunde und alle Bekannten wollten wissen, wie`s war!
Ich bin Atheist. Überzeugter, reflektierter, von den Evangelen weggelaufener, konvertierter. Das wissen sie alle. Ich antworte Ihnen: "In der Wüste habe ich Gott besucht!"
Ich bin jetzt nicht wieder rückfällig geworden. Versteht mich bitte richtig. Mir ist nur so rein und so frei und leicht gewesen, so ohne Angst und vor allem vollkommen ohne Sehnsucht. Ein irres Gefühl von "am-richtigsten-Platz-der-Welt-zu-sein". Ach, wie wunder-, wunderschön ist die Sahara. Ich krieg mich nicht mehr ein.
Und noch was, Mädels, ich fahre wieder hin....
Inshallah!

Für Euch von mir gibt`s jede Menge warme Wünsche für die dunkle Zeit und eine CD kommt mit der Post mit meinen "Besten" von Euch zur privaten Benutzung,

mit einer herzlichen Umarmung
Eure Carola
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Ich war in der Wüste
Geschrieben Donnerstag, 14. Januar 2010 von Susanne
Ich war in der Wüste – und es war wunderbar! Ein lange gehegter Traum wurde wahr : nämlich im NICHTS herumzulaufen, nachts vor Sternschnuppen nicht einschlafen können und STILLE - - (abgesehen von rülpsenden Kamelen). Der Begriff "WOW" faßt es treffend zusammen. Magst du mehr hören?
Etwas südlich von Douz in Südtunesien sind wir (7 Frauen) losgelaufen und -geritten mit insgesamt 10 Kamelen und 4 Beduinen als Führer, Köche und Begleiter. Diese Beduinen waren sehr feine Typen, zurückhaltend, Augen immer überall im Hinblick auf Sicherheit, freundliche Kerle, denen man sich bedenkenlos anvertrauen mochte. Ganz gemächlich aber stetig haben wir in der einen Woche mit ihnen am Ende immerhin ca 120 km zurückgelegt. Unglaublich, dabei bin ich doch eher unsportlich. Wasser nur zum Trinken - Hygiene per Babyfeuchttüchern, die im LAgerfeuer verbrannt wurden, wenn wir weiterzogen. Ohne Spuren durch den Sand - Wahnsinn. Für mich war es die erste "Frauenreise" – ein sehr sympathisches Erlebnis! Nur als Beispiel: unsere Jüngste wurde dort 35 - und die beiden wüstenerfahrenen, warmherzigen "Leiterinnen" hatten für sie einen selbstgebackenen Geburtstagskuchen in einer Tupperdose mitgebracht! Kannst du dir so was mit Männern vorstellen??
Schlafen unter freiem Himmel, jede in ihrem Schlafsack auf einer Matte, darüber noch eine von den Beduinenfrauen gewebte dicke Decke aus Kamel- und Ziegenhaar, die sehr gut die Kondensfeuchtigkeit der Nacht abhält. Sternschnuppen, Milchstraße, Planeten – man liegt im Universum und ist wirklich Teil davon. Aufwachen also spätestens bei Morgenrot. Wunderbar zu sehen, wie sich langsam der Himmel verfärbt, der Morgenstern verblaßt und schließlich die Sonne über den Horizont kriecht. Wie man doch im normalen Leben das Bewußtsein dafür verliert, daß immer alle Sterne da sind, auch wenn man sie nicht mehr sieht! Irgendwie hatte ich dort auch tagsüber das Gefühl, in den Sternen zu wandern...
Beim ersten Licht fangen unsere Männer an zu wühlen, machen Feuer und backen köstliches Brot, gegart in der Glut des Feuers direkt auf dem Sandboden, mit Glut auch von oben bedeckt. Dazu heißen Kaffee, Tee und Milch, Schmierkäseecken (einzeln abgepackt - wichtig wegen der Fliegen) oder ein köstliches Gemisch aus Honig und Olivenöl, das allerdings sehr aufmerksam gegen diese Fliegen verteidigt werden muß. Dann Aufsatteln und Beladen der Kamele. Die nächtlichen Matten und Decken werden zu einem weichen Thron angeordnet, auf dem man reiten kann, wenn man nicht mehr laufen kann oder möchte. Um den Kopf den Schesch binden, einen meterlangen Schal - wahnsinnig praktisches Kleidungsstück, mit dem man sich perfekt gegen Sonne, Sand und Sturm schützen kann. Und los geht's: immer ein paar Kamele aneinander gebunden mit ihrem Chamelier davor, der sie an einer Schnur führt. Morgens etwa 1,5 h Laufen, dann einen Keks und eine kleine Ruhepause. Nochmal 1 bis 1,5 h Laufen, dann werden die Kamele entpackt (nur der Ursattel, eine primitive Konstruktion aus Holz, bleibt drauf), kriegen ein Hobbelband um die Vorderfüße, damit sie sich nicht zu weit entfernen. Die Männer teilen sich die anfallenden Aufgaben: Holz sammeln, kochen, ein Schattenzelt für uns aufbauen. Wir liegen erschöpft und faul rum, wo wir Schatten finden. Mittags gibt's entweder eine Art Salade nicoise, Brot dazu, oder auch mal eine Suppe mit Gemüse, hinterher Granatapfel und Tee. Ich vertrage erfreulicherweise alles gut, esse allerdings auch immer vegetarisch und scheuche die Fliegen. Nach der geruhsam langen Mittagspause wieder alles raufpacken auf die Kamele und noch mal 1 bis 2 Stunden laufen. Die Richtung gibt uns die Sonne vor und die Erfahrung der Beduinen natürlich. Die Landschaft ist wahnsinnig abwechslungsreich, das Sandmeer ein bißchen wie das Meer bei verschiedenen Windstärken: von Windstärke 2 bis 12 ist alles dabei. Es gibt ganz kahle Stellen mit sehr hohen Dünen, wo wirklich nirgends ein Sträuchlein zu sehen ist, aber meistens findet sich doch irgendwo ein wenig strunkartiges Gebüsch. Der Sand ist unglaublich fein in allen Farbschattierungen von rosa über gelb bis weiß. Alle Vorräte für diese Woche haben wir dabei, reichlich Wasser in großen und schweren Kanistern, aus denen man sich bei Rastgelegenheiten seine Trinkwasserflaschen füllt. Der eigene Daypack- Rucksack hängt am Kamel, so daß man jederzeit dran kann. Das Hauptgepäck verschwindet tagsüber in Transportsäcken, die über die Kamele geworfen werden, wobei es sehr wichtig ist, daß das gleichgewichtig geschieht. Kommt die Ladung ins Rutschen, kann auch ein Kamel stürzen. Meines heißt Lazarak, was kein Eigenname ist, sondern eine Fellfarbe (dunkeltaupe) bezeichnet. Er ist ca 8 Jahre alt und sobald er sich setzen soll, legt er den ganzen Hals und Kopf auch gleich mit ausgestreckt auf den Boden - ein Urbild völliger Erschöpfung. Morgens zweige ich ihm immer ein paar kleine Brotstücke ab, das findet er gut.
Irgendwann gegen Abend machen die Männer halt, wenn sie einen Platz gefunden haben, an dem Mensch und Kamel gut nächtigen können. Jede Frau sucht sich ihren Schlafplatz - idealerweise leicht geschützt, möglichst nicht vor einem Wüstenmauseloch, nicht zu nahe an Gebüschen: in der Nähe könnten Viecher (Schlangen, Skorpione, Käfer) leben, oder es könnten nachts hungrige Kamele dort auftauchen.
Dann spektakulärer Sonnenuntergang - jeden Abend! Während wir uns einrichten, backen die Männer Brot, machen ein großes Feuer, auf dem nach Urväterart gekocht wird, einfach aber lecker: Linsensuppe, Nudeln, tomatige Saucen, Couscous mit Gemüse. Frische Datteln oder Granatäpfel zum Nachtisch. Danach werden Teller und Besteck mit Sand sauber gerieben -kennst du noch den Begriff Scheuersand?? Inzwischen kocht Teewasser und dann wird’s urig ums Lagerfeuer herum: die Männer holen ihre Instrumente (Trommeln, Flöte) heraus und machen Musik, singen, feuern sich gegenseitig an: keine mechanische Touristenfolklore - eine tolle Jam-Session! Zuhören, tanzen, lachen, erzählen, bis alle müde werden und sich in ihre Schlafsäcke verkriechen. Die Beduinen schlafen beim Feuer, eingerollt in dick gewebte lange Mäntel aus ähnlichem Material wie unsere Decken.
Die erste Nacht war mit nur 4 Grad die kälteste, später waren es meist so um 10, 12 Grad in der Nacht.Tagsüber ist es heiß, bis 35 Grad und wohl auch mehr, und das Ende Oktober! Bei 50 Grad in der Sonne wurde das Thermometer lieber aus der Sonne geholt... Aber die Hitze ist sehr gut auszuhalten, weil sie trocken ist.
So friedlich und ursprünglich verliefen alle unsere Tage. Welch ein großes Glück, bei so einer ruhigen, harmonischen Tour meditativ ganz für sich Weite und Einsamkeit erleben können und dabei doch wie in einer kleinen Familie geborgen zu sein. Ich bin richtig dankbar dafür, denn auch in der Wüste ist das keineswegs immer so. Nach meiner Reise hörte ich nämlich haarsträubende Dinge: eine zauberhafte und ehemals einsam gelegene Quelle ist inzwischen dem grellen 4-Rad-Tourismus zum Opfer gefallen. Zwar gibt es auch dort noch traditionell reisende Menschen (wenn auch eher in Riesengruppen mit 16 Frauen und 6 chameliers), aber bereits große Horden von motorisiert treckenden Touristen, Lärm, ständig laufende Generatoren, Abgaswolken, grölend tanzende Gruppen. Ein Typ hat dort inzwischen ein weißes Plastikzelt für die Massen aufgebaut, macht Diskomusik mit Blinklämpchen in der Nacht und hat in der Quelle Plastikrohre installiert, damit die Touris fett wie unter einem kleinen Wasserfall sitzen können, der sich daraus ergießt. Anscheinend hat sich das so verändert, seit im Frühjahr dieser Ort in einem Internetforum als „Geheimtip“ aufgetaucht ist. Ich habe die Fotos gesehen - Horror! Das hätte mich total deprimiert!
Deshalb bin ich umso dankbarer, diese Art Reise gemacht zu haben, bei der ich mit Menschen zusammen sein durfte, die auch in Ursprünglichkeit und Einfachheit glücklich sein können. Ein Traum hat sich für mich damit erfüllt: in grandioser Natur einfach nur elementar „sein“ und die Welt so erleben, wie sie ursprünglich gedacht war.
„Die Seele geht zu Fuß“ soll angeblich ein arabisches Sprichwort sein. Manchmal habe ich das Gefühl, daß meine nicht ganz wieder hier ist, seitdem ich in der Wüste war. Sie ist noch mit Dagmar, Andrea, Maike, Martina, Anne und Michaela, Mehdi, Massaoud, Achmed und Ali unterwegs. Ist ja auch ziemlich weit, ganz nach Hamburg hoch...
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Unsere Marokko-Reise vom 06.-17.04.09
Geschrieben Montag, 11. Mai 2009 von Dagmar
Wir sind wieder zurück aus Marokko...

Unsere Marokkoreise war sehr schön und auch sehr abwechslungsreich. Ich war das erste Mal in Marokko, und ich war ganz verzaubert von der Schönheit der Landschaft! Die Gipfel des Atlasgebirges... noch schneebedeckt... ein ganz klarer, strahlend blauer, endloser Himmel... die roten Lehmdörfer... die Dünen bei Sonnenaufgang... dann im Abendlicht... der Vollmond über den Dünen... der "Orion", so klar und nah am nächtlichen Sternenhimmel... diese Bilder sind alle noch so deutlich, und mein Herz wird ganz weit, selbst beim Erinnern daran.

Bevor wir "Erg Chegaga", die Sanddünenwüste erreicht haben, sind wir zuerst durch gebirgige Landschaft gelaufen... geritten... durch einen atemberaubenden Canyon...sind in einem ziemlich eiskalten See geschwommen...ganz grün und klar war der!... wunderschön! Was für einen Spaß wir hatten! Als wir die Füße eintauchten, war uns gar nicht mehr so heiß...hat zuerst schon einige Überwindung gekostet, ganz hineinzutauchen in das kalte Wasser, aber wir hätten es uns nicht verziehen, nicht darin gebadet zu haben. Daran musste ich denken, als wir am nächsten Tag in unsrer Mittagspause im Zelt vor uns hin schwitzten. Wie gern wären wir sofort wieder in den See gesprungen, wäre er nur in der in der Nähe gewesen!

Wir haben ohne Schwierigkeiten Höhen wie den "Tembain" in Tunesien erklommen... die Kamele auch! ...Von weitem dachte ich wirklich, das kann nicht gehen, dachte, dass da weder wir und erst recht nicht die Kamele hochkämen... Und dann war es ganz leicht! Ich bin den Weg gegangen, ohne zu glauben, dass es möglich ist... tolle Erfahrung! Habe den Beduinen vertraut, die gesagt haben "geht schon mal los... den Weg seht Ihr schon beim Gehen". Sie sind mit den Kamelen nachgekommen, als wir schon ganz oben waren. Andrea und ich hatten beide das Gefühl, dass wir noch viel höher waren, als auf dem Tembain. Wie ich hinterher nachgelesen habe, war das übrigens der Anfang der Überquerung des Antiatlas. Es war so ein herrlicher Morgen! Blauer Himmel, ewigweite Sicht, zarter Wind, klare, saubere Luft...ein wunderschöner Beginn für unsere Tour!

Egal wo wir waren, wir haben immer irgendwo am Horizont Berge gesehen... auch in den Sanddünen. Ich empfand die Sanddünenwüste mit ihren zum Teil auch sehr hohen Dünen nicht so "unendlich weit" wie auf unserer letzten Quellentour in Tunesien, hab' mich nicht so "ganz allein auf der Welt" gefühlt wie dort manchmal. Aber noch allein genug ;-) ... ich glaube, ich habe dieses Mal keinen Sonnenaufgang verpasst... habe immer irgendwo auf einer Düne gesessen! Und ich bin immer "von selbst" kurz vor Sonnenaufgang wach geworden. Das kenne ich von meinem "normalen Leben" ja gar nicht.

Die Rückfahrt von Zagora über den Hohen Atlas nach Marrakech ist mir auch in besonderer Erinnerung. Eine Fahrt wie durch ein Marokko-Bilder-Buch! ( Die Hinfahrt, der selbe Weg, war auch schön! Anders schön..zuerst leichter Nieselregen...ein bißchen Nebel... ja, die Landschaft erinnerte irgendwie an "Nebelwald"! So viel Grün!!! Das hatte ich mir überhaupt nicht so vorgestellt... eigentlich hatte ich mir sowieso nichts vorgestellt!) Ab dem 2260m hohen Pass ( Tizi'n Tichka) schien dann die Sonne. Und auf der Rückfahrt haben die Wolken genau an der selben Stelle auf uns gewartet. Die Fahrt durch die Landschaft in der Nachmittagssonne, in diesem ganz besonderen Licht, war so wunderschön!

Rote Lehmdörfer, angelehnt an die Berge...ganz unauffällig, wie mit der Landschaft verwachsen...Schafherden, viele Esel!!!... glitzernde Flüssschen, kleine Wasserfälle ... Frauen bei der großen Wäsche und beim Wäscheaufhängen an verschiedenen Wasserstellen...bunte Teppiche zum Trocknen ausgebreitet auf den Felsen... blühender Oleander... Männer in Kapuzenmänteln... Frauen, riesige Grasbüschel auf den Köpfen balancierend... spielende Kinder... Palmenoasen... die schneebedeckten Gipfel in der Ferne. Wir waren einige Stunden unterwegs, und es war keine Sekunde langweilig. Ich wäre müde genug gewesen, um zu schlafen, aber das ging gar nicht, angesichts dieser Schönheit der Landschaft!

Wir waren dieses Mal eine ziemlich kleine "Wüstenfamilie". 1 Mädchen (12), (Anna, verzeih' mir, falls Du das liest und Du doch schon 13 bist), 2 ganz junge Frauen (17 und 19 seid Ihr in meiner Erinnerung, Stina und Janna ... hoffe, das stimmt auch...) und 6 "erwachsenere" Frauen. 4 Beduinen haben uns geführt, beschützt, bekocht... verwöhnt! Sie haben rund um die Uhr alles getan, um es uns so "gemütlich" wie möglich zu machen! Und dann gehörten natürlich unsere 11 Freunde, die Kamele noch zu unserer Karawane.

Mit dem Wetter hatten wir sehr viel "Glück". Ein paar vereinzelte Regentropfen an einem Abend nur...und es war warm! Sogar abends und nachts... in den ersten Nächten um die 20 Grad, als wir in unsere Schlafsäcke krochen. Hab' den Reissverschluss immer wieder auf- und zugezogen... Arme 'raus, Arme 'rein...Arme wieder 'raus, aber irgendwie war es sehr viel besser als zu frieren. Kein Vergleich zu letztem Jahr in Tunesien, als es in den ersten Nächten so kalt war! Windig war es, - bis auf einen Abend, immer nur tagsüber, was gut war für's Laufen... Alle anderen Abende waren windstill, warm, gemütlich... jedenfalls in meiner Erinnerung.

Das Essen war - wie auch immer in Tunesien - sehr gut! Was ich als besonderen Luxus empfand, war der "Café au Lait" zum Sonnenuntergang mit "richtiger" heisser Milch! Und "Thé à la Menthe", den guten marokkanischen Minzetee gab' es aber natürlich auch! Und Kekse!

Nach der Wüste dann noch einmal "ein Rausch für die Sinne"...Marrakech! Farben, Gerüche, Geräusche... so viele schöne Dinge auf den Märkten... Messinglampen... Lederschläppchen und Taschen in allen Farben und Fornen... Keramik, Schmuck...Teppiche, Stoffe, Wolle... Gewürze... Obst...Gemüse... alles, was man sich nur vorstellen kann. Wir waren gleich früh morgens in der Medina, der Altstadt, unterwegs, hatten einen "Guide", der uns in die verwinkelsten Ecken der Souks geführt hat... auch dahin, wo die Handwerker ihre Waren herstellen, in manchmal nur 2 m² großen "Werkstätten"... eine besonders schöne Atmosphäre in den engen Gäßchen im morgendlichen Sonnenlicht! Irgendwann landeten wir dann auch auf dem "Djemaa el Fna", dem berühmten Platz mit den Schlangenbeschwörern, Akrobaten, Märchenerzählern, Musikanten... haben dort an einem Stand einen köstlichen, ganz süßen, frischgepressten Orangensaf getrunken.

In Marrakech haben wir mitten in der Altstadt, in einem sehr schönen Gästehaus, einem "Riad" gewohnt, das Uschi und Andrea auf ihrem letzten kurzen Ausflug nach Marrakech "zufällig" entdeckt haben. Es gibt dort nur ganz wenige Zimmer, und die haben alle wir bewohnt. Wir haben 3 mal dort übernachtet - in der Nacht nach unserer Ankunft und dann noch mal 2 Nächte vor unserer Heimreise. Irgendwie hatten wir schon alle das Gefühl dort zu "wohnen". Es war sehr schön, dort mit einem guten Essen empfangen zu werden an unserem ersten Abend... an einem liebevoll gedeckten Tisch zu sitzen... ganz in Ruhe zu essen. Und es war genauso schön, dorthin zurückzukommen nach der Wüste... und dann auch abends nach dem "Gewusel" in der Stadt... wir haben uns sehr willkommen gefühlt dort!

Marokko war wirklich sehr eindrucksvoll! Und es war eine sehr schöne Zeit, besonders auch durch Euch alle, Ihr lieben Wüstenschwestern! Ganz liebe Grüße an Euch alle... falls Ihr das mal irgendwann lest! Auf diesem Weg auch liebe Grüße an alle meine anderen Wüstenfreundinnen!

Dagmar
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