Wüstentour in Tunesien - nach der Revolution im April 2011!
Geschrieben Freitag, 10. Juni 2011 von Administrator
Sicher seid ihr gespannt zu erfahren, wie unsere 2 Quellen Tour in das neue
Tunesien verlaufen ist. Die Vorbereitungen auf diese Tour waren für alle
Beteiligten ein gefühlsmäßiges Achterbahn fahren. Die vielen Berichte der
Medien über die Revolution, die Ängste der Familien und Freunde, Frauen,
die sich an- und wieder abmeldeten. Zum Glück erhielten wir viele
Informationen vor Ort, quasi aus erster Hand, die uns letztendlich doch
immer wieder beruhigten.
Ein großer Dank gilt Uschi, die uns immer wieder Mut machte, uns Sicherheit und große Offenheit beschert hat!
Andrea und ich bereiteten uns intensiv auf unsere erste gemeinsame Tour
als El Mida Guides vor. So wurden Medikamentenlisten erstellt, die
Arzneien zusammengepackt, Erste-Hilfe-Kurse aufgefrischt und ein
Satellitentelefon ausgeliehen. Wir telefonierten oder mailten uns fast
täglich, um uns über die Neuigkeiten auszutauschen. Auch standen wir
mit Uschi und unseren zukünftigen Wüstenfrauen immer wieder in Mail oder
Telefonkontakt, sodass wir zueinander schon ein nettes und vertrautes Verhältnis aufbauen konnten.
Dann ging es endlich am 15. April los. Unsere Gruppe bestand aus 9 Frauen:
Karin, Marita, Olga, Anne, Petra, Sarah, Rita, Andrea und mir.
Am Flughafen auf Djerba wurden wir mit Freude von Mustafa, Andrea und den
schon vorher angereisten Frauen empfangen. Als wir dort landeten, war ein
großes Aufgebot an Tunesiern vor Ort, die einen ankommenden Politiker,
der 20 Jahre im Exil war, mit Trällern und Jubelrufen empfingen. Dieser
Mann saß mit uns im Flugzeug, er war bei der Passkontrolle vor uns. Er sah
sehr krank aus, konnte kaum laufen, trat aber dann mit einem solch
freudigem, stolzem Schritt auf den tunesischen Boden, dass man Gänsehaut
bekommen konnte.
Was das für ein Gefühl sein muss, sein Land nach so vielen Jahren wieder zu betreten!
Unser Anreisetag auf Djerba war sehr entspannt. Wir Frauen bummelten
durch die Souks, tranken frisch gepressten Orangensaft und konnten uns
schon so ein wenig kennenlernen. Es waren wie schon erwartet, kaum
Touristen unterwegs.
Am nächsten Morgen ging es dann um 7.00 Uhr los. Die Fahrer holten uns ab
und wir fuhren mit 2 Jeeps in Richtung Süden. An der Fähre war so wenig
los, dass wir sofort hinauf fahren konnten. Ansonsten kam mir alles so
vor wie immer. Hin und wieder gab es Polizei-Kontrollen auf den Straßen,
genau wie bei den früheren Reisen auch.
Nach einer kleinen Rast am Ksar Jumaa, wo seit dem letzten Herbst einiges
sehr hübsch renoviert worden ist (demnächst wird hier ein Restaurant
eröffnet), gelangten wir nach Ksar Ghilane.
Hier erstanden wir unsere Chechs und Wüstenkleidung. Beim Gespräch mit den
Händlern erfuhren wir, dass 3 Monate kein einziger Tourist in der Oase
war. Auf dem Campingplatz in Ksar Ghilane gab auch jetzt es keinen einzigen
Gast. In der Oase selbst gab es lediglich an dem Tag, an dem wir da waren
vielleicht 10 Touristen - die ersten seit Monaten.
Nach einer Teepause fuhren dann noch ein Stückchen in die Wüste hinein.
Dort warteten die Beduinen und auch Marita auf uns. Marita war schon eine
Woche vor uns in Douz gewesen und hatte dort eine tolle Zeit verbracht. Es
war ein freudiges Wiedersehen mit unseren Beduinen, Edi, Ali, Achmed und
Amor (dem Sohn von Bechir aus Safraane).
Nach dem Essen überreichten Andrea und ich die Spendengelder. Ich
erklärte, dass es ein Geschenk von vielen Frauen für viele Beduinen sei.
Wir gingen alle Beduinen durch, Andrea hatte auf jeden Briefumschlag ein
Porträtfoto des jeweiligen Mannes geklebt. Auch den Bogen mit den
Frauenbildern erläuterten wir mit Namen. Am nächsten Tag (ich denke die
Männer hatten in die Umschläge geschaut) sprach Edi mich an und bedankte
sich noch einmal sehr für das Geschenk auch im Namen der anderen Beduinen.
Nach dem Mittagessen liefen wir los, das Tempo war stramm, die Frauen gut
gelaunt und gespannt, was sie so alles erwartete. Der Himmel war zunächst
etwas bedeckt, genau richtig für den Einstieg in die Wüste. Abends
beschlossen wir am nächsten Tag sehr früh los zu gehen, da wir mit großer
Hitze zu rechnen hatten. Wir verabredeten einen Weckruf mit Tamtam (der
Rahmentrommel) um 5.50.
Und dann hatten wir die erste Nacht in der Wüste! Es war ein herrlicher
Vollmond, Sterne sah man dadurch zwar wenig, aber dafür konnten wir uns
gut in der Nacht orientieren.
Am nächsten Morgen kamen wir pünktlich um 7.30 los. Wie schon abends
prophezeit, war der Tag sehr heiß. Wir maßen 37,1°C im Schatten und
machten schon um 11.30h eine lange Mittagspause.
In dieser probierten Andrea und ich das ausgeliehene Satellitentelefon
aus. Wir hatten Uschi versprochen, es einmal zu testen, wenn wir in der
Wüste sind. Leider fand das Telefon keinen Satelliten! Wir probierten es
mehrere Male, bis wir dann Edi um Rat fragten. Er lief mit Andrea über ein
paar riesige Dünen, aktivierte dann auf der anderen Seite verschiedene
Handys und bekam schließlich einen total verschlafenen Abdelmajid (der
Chef von Douz Voyages) ans Ohr. Dieser versprach Uschi wegen des nicht
funktionierenden Telefons zu informieren. Es war eine riesige Beruhigung,
Uschi wusste nun Bescheid und konnte unsere Familien informieren. Für uns
ist auch gut zu wissen, dass die Beduinen oft eine Möglichkeit haben,
Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Sie wissen meistens, wo man Handy
Verbindung hat. Im Nachhinein erfuhren wir, dass der Satellitenempfang
wahrscheinlich durch die Libyenkrise gestört war.
Die nächsten Wüstentage waren tagsüber mit recht großer Hitze und einem
strammen Lauftempo erfüllt. Zum Glück schafften wir es immer morgens um
7.30 los zu laufen, so dass wir nicht in die absolute Mittagshitze kamen.
Nachmittags liefen wir dann auch bis kurz vor Sonnenuntergang. Wir Frauen
und auch die Beduinen waren abends recht müde, so dass wir uns freuten
nach dem Abendessen in unsere Schlafsäcke zu kriechen.
Am 4. Tag hatten einige Frauen Blessuren: Blasen, Knieprobleme, gereizte
Augen, Splitter im Daumen und wirkten erschöpft, aber trotzdem fröhlich.
Andrea und ich hatten 2x täglich unsere „Sprechstunden“ wo wir Verbände
anlegten, Augen tropften, homöopathische Mittel verabreichten und
Kniebandagen verteilten.
Dafür bekamen wir an diesem Tag wir eine große Belohnung! Kurz vor
Sonnenuntergang erreichten wir die Quelle am Gala Blachmar Berg. Endlich
Wasser, baden, waschen und erfrischen!
Unsere müden Knochen wurden wieder beweglich und munter.
Abends beim Feuer gab es zunächst einen herrlichen Sternenhimmel. Als der
fast volle Mond hochkam, begann das Wetterleuchten. Ein tolles und
intensives Natur-Erlebnis. Als wir in der Ferne noch Donner grollen
hörten, bereiteten wir uns auf eine Regen- und Gewitternacht vor. Ich
wurde in der Nacht von ziemlichem Wind geweckt, auf den ein heftiger Regen
mit Blitz und Donner folgte. Ich schaute mich nach den Frauen um, wir
lagen an der Quelle ziemlich nah beieinander. Die Frauen kicherten und
überlegten sich, was sie hier überhaupt machen. In die Wüste zu fahren,
solche Strapazen auf sich zu nehmen und dann noch mitten in einem heftigen
Gewitter unter freiem Himmel zu liegen! Man braucht doch eine gewisse
Portion an Humor, um das so gelassen zu sehen! Es fasziniert mich immer
wieder in der Wüste Gewitter zu erleben, man fühlt sich ganz klein im
großen Universum und doch so zugehörig!
Am nächsten Morgen hatte es sich ziemlich abgekühlt, der Himmel war blau
und eine kühle Brise (bachri= der Wind, der vom Meer kommt) wehte. Den
anderen Frauen schien die Nacht trotz Gewitter einigermaßen bekommen zu
sein, obwohl die Blessuren der letzten Tage noch nicht ganz verheilt
waren.
An diesem Tag erreichten wir den südlichsten Punkt unserer Tour,
Bir Auin. Wir liefen daran vorbei, es ist ein Militärstützpunkt, in dem
auch ein Brunnen ist. Ali ging mit zwei Kamelen und Wasserkanistern los um
Wasser zu holen.
Wir Frauen waren ganz schön stolz auf das, was wir bisher geschafft
hatten: etwa 75 Kilometer in großer Hitze zu gehen, dabei riesige
Sanddünen zu überqueren, das heftige Gewitter in der Nacht...
Wir stiegen noch einmal riesige Dünen hinauf und wurden oben mit einmalig
schönen Ausblicken belohnt: man konnte immer wieder in 5 verschiedene
Täler blicken, eines schöner als das nächste...
Dann ging es eine Zeit lang nur bergab. Teilweise hatte man das Gefühl,
dass es ca. 200 Meter Höhenunterschied gab. Da ja alles so weich und
sandig ist, kann man hier gar keine Höhenangst bekommen, sondern die Dünen
runter rennen, sich runter kugeln, was einige Frauen auch taten.
Da wir nun den südlichsten Punkt überschritten, und genug Wasser bei uns
hatten, konnten wir die Tour von nun an wesentlich langsamer und
entspannter laufen. Zunächst musste es so zügig gehen, da man im Frühjahr
jederzeit mit einem Sandsturm rechnen muss und somit manchmal nicht weiter
gehen kann. Wenn das gleich zu Anfang geschehen wäre, hätte es
Zeitprobleme geben können.
An diesem Abend war unsere Stimmung super, selbst die Beduinen wirkten
erleichtert, und somit gab es am Feuer nach dem Essen wunderschöne Musik
und Tanz. Auch wir Frauen erfreuten uns und die Männer mit tollen
Gesängen, vor allem Olga, die eine wunderschöne Soul-Stimme hat.
Jetzt da wir etwas gemächlicher gehen konnten, ergaben sich auch immer
wieder Gespräche mit den Beduinen.
Einige Beduinen können keine oder nur noch kurze Touren gehen.
Ibrahim hat ganz schlimme Rückenprobleme, der Arzt hat ihm eine Korsage
verschrieben, er kann nur noch kleine Touren laufen. Habib ist letztes
Jahr Vater geworden. Leider sind zwei seiner Kamele gestorben, so dass er
nur noch eines hat. Mit einem Kamel ist es für ihn nicht möglich bei einer Tour
mit zu machen.
Ali mit der Brille ist nun komplett blind, er kann gar keine Touren mehr
laufen.
Sowohl von Ibrahim, als auch von Ali Tam-Tam sind im letzten Jahr Kamele
auf der Straße zwischen Matmata und Douz von zu schnell fahrenden Autos
tot gefahren worden. Die Beduinen bekommen keinen Ersatz oder Geld dafür.
Edis „Heschi“ (das junge Kamel) war Anfang des Jahres so krank, dass es 4
Wochen gar nichts gefressen hat. Der Kamelarzt gab ihm jeden Tag 2
Spritzen und sie hatten schon die Hoffnung der Genesung aufgegeben. Die
Familie besuchte das Heschi jeden Tag und betete zu Allah. Zum Glück
erholte es sich und konnte nun auf unserer Tour mitgehen. Es hatte ziemlich
abgenommen, wir fütterten es mit ganz vielen Blumen, die zum Glück
reichlich vorhanden waren.
Über den Sturz von Ben Ali freuen sich alle sehr. Die Beduinen sagen, dass
vor allem die Nachrichten und das Fernsehen nun ganz anders sind. Viel
offener und freier, es wird über alles geredet. Auch haben sie nun keine
Angst mehr, dass Handy-Gespräche belauscht und Mails eingesehen werden.
Sie wünschen sich eine Demokratie, wissen aber auch, dass es viel Zeit
braucht und man geduldig sein muss.
Nun wieder zurück zu unserer Tour. Am Karfreitag erreichten wir die 2.
Quelle, „la Source“ oder Lac Houidhat“. Es war sehr heiß, 37 ° im Schatten und 48° in der
Sonne. Alle freuten sich über einen halben Tag Pause. An der Quelle waren
sogar einige Touristen. Eine deutsche Familie mit 2 Kindern, die schon das
6. Mal da waren. Dann lagerten dort noch 3 Jeeps mit Touristen. Wir waren
allerdings die einzige Karawane.
Auch das Café-Zelt stand noch da, was einige unserer Frauen sehr freute,
da sie sich eine kalte Cola gönnen konnten.
Das Baden in der Quelle war wieder ausgesprochen aufmunternd und die Pause
tat jedem gut.
Der frühe Morgen begann wieder mit Regen, Blitz und Donner. Zum Glück
hörte der Regen nach dem Losgehen auf, dafür kam der heiße Südwind, der
„Sheheli“. Die Stimmung in der Gruppe war super, durch unsere gemeinsamen
Erfahrungen und intensiven Erlebnissen wuchsen wir sehr zusammen. In den
Mittagspausen unterhielt uns Karin immer mit kurzen, sehr amüsanten
Geschichten. Dadurch wurden auch unsere Lachmuskeln sehr gut gekräftigt:0)
Am Ostersamstag bereiteten Andrea und ich die Osterüberraschungen vor.
Andrea hatte kleine Stoffhasen und Kamele genäht, die wir mit Süßigkeiten
füllten. Diese versteckten wir dann am Ostersonntag Morgen. Nun begann die
Suche. Die Frauen suchten Stoff-Hasen und die Männer Stoff-Kamele. Alle waren intensiv
dabei und freuten sich sehr über ihre gefundenen Schätze.
An diesem Tag wurde der Hitzerekord gesprengt 43,5° im Schatten (53,8° in
der Sonne), dazu der heiße Scheheli und ein beginnender Sandsturm. Zum
Glück war es nur ein kleiner Sandsturm, der uns Frauen aber sehr
faszinierte. Die Dünen sahen aus, als ob Djinns (Geister) mit Schleiern über sie
tanzten.
Abends flachte der Wind wieder ab, auch die Luft wurde angenehm kühl (18°).
Die Beduinen trinken gerne kaltes Wasser. Sie kühlen es ab, indem sie
Wasser in eine Metallschüssel gießen. Nach einer halben Stunde ist es so
kalt, als ob es aus dem Kühlschrank käme. Auch für uns gab es kaltes
Wasser. Es war sehr erfrischend nach einem so heißen Tag.
Abends bereitete Achmed mit viel Sorgfalt für uns einen Beduinen-Tee zu,
den wir genüsslich schlürften.
Am nächsten Tag war es wieder sehr heiß. Dadurch, dass wir immer so früh
morgens los liefen und wir sonst keine Verzögerungen hatten, konnten wir
uns noch einen halben Tag Pause gönnen. Die ganze Zeit windete es heiß und
überall war Sand. Die Beduinen bauten sowohl das kleine weiße Zelt, als
auch das Beduinenzelt auf. Wir machten es uns im großen Zelt gemütlich,
lasen umschichtig vor, massierten uns gegenseitig und ließen es uns gut
gehen. Dann gab es Kaffee, Tee und Kekse, es war total entspannend.
Mittlerweile waren auch die anfänglichen Blessuren verheilt, so dass es
uns Frauen sehr gut ging. Karin las auf einmal eine sehr lustige
Geschichte vor, die sie mal eben so geschrieben hatte. Ein paar Sachen
waren in der Wüste verloren gegangen (ein Brillenetui, Ohrringe, ein Tuch,
ein Osterhase...) Die Geschichte handelte von den verlorenen Dingen. Es
ist immer toll, wie kreativ sie sein kann trotz der großen Hitze!
Abends flachte der Wind wieder ab und es wurde ein wunderschöner Abend mit
Musik und Tanz.
In der Nacht fing es wieder an zu regnen, es regnete auch
noch beim Frühstück. Zum Glück stand das weiße Zelt noch, so dass wir
nicht ganz so nass wurden. Dafür sahen wir aus, als ob wir paniert wären!
Das war eine echte Verwüstung:0)))
So langsam kamen wir dem Ende der Tour entgegen. Wir erreichten zur
Kekspause den Berg Tembain. Auf diesem Berg hat man eine herrliche Sicht
in alle Himmelsrichtungen. Mit Stolz erblickten wir in der Ferne die Berge
Elmida, Tennessone und Dacanis die wir auf der anderen Seite umwandert
hatten. Wir haben wirklich eine riesige Strecke zurück gelegt!
Nach der Bergbesteigung schlugen wir in der Nähe des Tembain-Brunnens
unser Mittagslager auf. Danach gingen wir Frauen mit Ali Kamele tränken
und Wasser holen.
Es ist immer wieder ein eindrucksvolles Bild, wenn die
Kamele trinken. Dass sie innerhalb von so kurzer Zeit so viel Wasser zu
sich nehmen können! Die Bäuche der Tiere sind danach dermaßen dick!
Auch für uns war das Wasser des Tembain-Brunnens wieder eine willkommene
Erfrischung. Es schmeckt so lecker süß und ist herrlich kalt.
In der Mittagspause feierten wir Petras Geburtstag. Andrea hatte ein
kleines Kamel und ein Pixibüchlein über die Wüste besorgt. Dann sangen wir
noch Happy Birthday auf arabisch. Petra war ganz gerührt. Später sagte
sie, dass es ihr schönster Geburtstag überhaupt gewesen sei.
Auf unserem Weg zum Djebil begannen die Beduinen wilden Wacholder zu
suchen. Sie nennen es Djade. Es soll sehr gut bei Magen-Darm-Beschwerden
wirken. Der Teeaufguss schmeckt allerdings furchtbar bitter. Wir sammelten
große Sträuße dieser lila blühenden Pflanze. Die Beduinen sammeln häufig
Kräuter, die sie dann verkaufen. Ali zeigte uns noch eine Pflanze, die wir
Lippenstiftpflanze tauften. Es ist ein kleines lila blühendes Blümchen,
welches eine lange rote Wurzel hat. Diese Wurzel benutzen die
Beduinenfrauen als Lippenstift. Das war natürlich auch etwas für uns
Frauen. Einige von uns trugen auf einmal Wüstenlippenstift. Die Farbe hält
so richtig lange!
Der letzte Wüstentag brach nach einer sternenreichen Nacht mit vielen
Sternschnuppen an. Alle waren ziemlich wehmütig. Auch die Beduinen waren
traurig, dass es nun bald vorbei ist. Am Ende der Mittagspause saßen wir
mit ihnen allen zusammen und tranken den leckeren Beduinentee. Die Männer
erkundigten sich nach verschiedenen Frauen mit denen sie einmal gegangen
waren.
Am Abend erreichten wir unser Ziel, den Djebil. Dort erwarteten uns schon
2 Jeeps mit den Fahrern. Sie brachten uns frisches Gemüse, Obst und
Fleisch. Das Abendessen wurde ein Festmahl mit leckerem Cous-Cous.
Danach erfreuten wir Frauen unsere Beduinen mit einem kleinen
Puppentheater. Die Osterhasen stellten uns Frauen dar. Die Beduinen waren
von Andrea und mir gebastelte Papierpüppchen. Wir spielten verschiedene
Szenen unserer Tour auf arabisch nach, was den Beduinen ziemlichen Spaß
machte.
Sp¡¡ter wurde noch sehr lange Musik gemacht und getanzt. Wir hatten einen
wunderschönen Abschieds-Abend.
Am nächsten Morgen wurden wir gegen 8.00 abgeholt. Es war ein rührender
Abschied! Alle hatten Tränen in den Augen! Dann fuhren wir nach Douz. Dort
war wie jeden Donnerstag Markt. Ein äußerst buntes Treiben nach der Ruhe
in der Wüste! Dadurch, dass keine Touren liefen, waren einige bekannte
Beduinen unterwegs. Wir trafen: Ibrahim (Edis Cousin), Mohammed, Ali
Moustache (Mohammeds Bruder), Amor (der im Herbst mit uns unterwegs war),
Mohammed (unser Koch aus dem letzten Frühjahr) und sogar zum Schluss noch
Bechir, (der sich in den letzten Jahren kaum verändert hatte). Alle freuten
sich sehr uns zu sehen.
Nach einer ausgiebigen Shoppingtour und dem Mittagessen im Restaurant
Palmier, wurden wir ins Hotel gebracht. Diesmal war es das Hotel Sahara,
da alle anderen großen Hotels aufgrund der wenigen Touristen geschlossen
hatten. In diesem Hotel hatten sich ca. 300 Touristen versammelt. Wie immer
war es ein komisches Gefühl nach der langen Zeit wieder in der
Zivilisation zu sein.
Unseren letzten gemeinsamen Abend ließen wir nach dem Essen mit Weißwein
und gemeinsamen Chicha-Rauchen ausklingen. Am nächsten Morgen wurden wir
dann wieder nach Djerba zum Flughafen gebracht.
Andrea und ich als Guides sind uns einig: dies war unsere schönste Tour!
Wir haben von Anfang an viel „Herzblut“ in die Tour gesteckt. Es hat sich
absolut gelohnt. Auch unsere so lieb gewonnenen mitreisenden
Wüstenschwestern waren ohne Ausnahme hellauf begeistert. Alle sind sich
einig, dass sie wieder in die W¨¹ste fahren möchten. Wir haben von
irgendwelchen Unruhen absolut nichts bemerkt. Im Gegenteil, wenn wir Leute
trafen, dann merkte man wie froh sie sind, dass wir da waren. Auf unserer
Rückreise aus der Wüste trafen wir in einem Wüstencafé einen Soldaten, der
hielt sich, als er uns sah, die Hand aufs Herz und schaute so glücklich
aus.
Tunesien braucht Touristen. Ein großer Teil der Arbeit und des Einkommens
stammt aus dem Tourismus. Unsere Beduinen haben zurzeit keinerlei Arbeit.
So ist es für sie unmöglich ihre zum Teil sehr großen Familien zu ernähren. Zum
anderen lieben sie auch ihre Arbeit und es macht sie sehr traurig, dass
sie dieser nicht nachgehen können. In diesem Frühjahr gab es lediglich 4
Touren ingesamt bei Douz Voyages. Zwei davon wurden von El Mida organisiert.
Wir fühlten uns die ganze Zeit sicher und wohl behütet. Für Andrea und
mich ist klar, wir fahren weiter in die Wüste und hoffen, dass es genug
Frauen gibt, die mit uns reisen!
Wir freuen uns von Euch zu hören, beslama, bleibt gesund!
Viele Grüße von Kathrin und Andrea.
Tunesien verlaufen ist. Die Vorbereitungen auf diese Tour waren für alle
Beteiligten ein gefühlsmäßiges Achterbahn fahren. Die vielen Berichte der
Medien über die Revolution, die Ängste der Familien und Freunde, Frauen,
die sich an- und wieder abmeldeten. Zum Glück erhielten wir viele
Informationen vor Ort, quasi aus erster Hand, die uns letztendlich doch
immer wieder beruhigten.
Ein großer Dank gilt Uschi, die uns immer wieder Mut machte, uns Sicherheit und große Offenheit beschert hat!
Andrea und ich bereiteten uns intensiv auf unsere erste gemeinsame Tour
als El Mida Guides vor. So wurden Medikamentenlisten erstellt, die
Arzneien zusammengepackt, Erste-Hilfe-Kurse aufgefrischt und ein
Satellitentelefon ausgeliehen. Wir telefonierten oder mailten uns fast
täglich, um uns über die Neuigkeiten auszutauschen. Auch standen wir
mit Uschi und unseren zukünftigen Wüstenfrauen immer wieder in Mail oder
Telefonkontakt, sodass wir zueinander schon ein nettes und vertrautes Verhältnis aufbauen konnten.
Dann ging es endlich am 15. April los. Unsere Gruppe bestand aus 9 Frauen:
Karin, Marita, Olga, Anne, Petra, Sarah, Rita, Andrea und mir.
Am Flughafen auf Djerba wurden wir mit Freude von Mustafa, Andrea und den
schon vorher angereisten Frauen empfangen. Als wir dort landeten, war ein
großes Aufgebot an Tunesiern vor Ort, die einen ankommenden Politiker,
der 20 Jahre im Exil war, mit Trällern und Jubelrufen empfingen. Dieser
Mann saß mit uns im Flugzeug, er war bei der Passkontrolle vor uns. Er sah
sehr krank aus, konnte kaum laufen, trat aber dann mit einem solch
freudigem, stolzem Schritt auf den tunesischen Boden, dass man Gänsehaut
bekommen konnte.
Was das für ein Gefühl sein muss, sein Land nach so vielen Jahren wieder zu betreten!
Unser Anreisetag auf Djerba war sehr entspannt. Wir Frauen bummelten
durch die Souks, tranken frisch gepressten Orangensaft und konnten uns
schon so ein wenig kennenlernen. Es waren wie schon erwartet, kaum
Touristen unterwegs.
Am nächsten Morgen ging es dann um 7.00 Uhr los. Die Fahrer holten uns ab
und wir fuhren mit 2 Jeeps in Richtung Süden. An der Fähre war so wenig
los, dass wir sofort hinauf fahren konnten. Ansonsten kam mir alles so
vor wie immer. Hin und wieder gab es Polizei-Kontrollen auf den Straßen,
genau wie bei den früheren Reisen auch.
Nach einer kleinen Rast am Ksar Jumaa, wo seit dem letzten Herbst einiges
sehr hübsch renoviert worden ist (demnächst wird hier ein Restaurant
eröffnet), gelangten wir nach Ksar Ghilane.
Hier erstanden wir unsere Chechs und Wüstenkleidung. Beim Gespräch mit den
Händlern erfuhren wir, dass 3 Monate kein einziger Tourist in der Oase
war. Auf dem Campingplatz in Ksar Ghilane gab auch jetzt es keinen einzigen
Gast. In der Oase selbst gab es lediglich an dem Tag, an dem wir da waren
vielleicht 10 Touristen - die ersten seit Monaten.
Nach einer Teepause fuhren dann noch ein Stückchen in die Wüste hinein.
Dort warteten die Beduinen und auch Marita auf uns. Marita war schon eine
Woche vor uns in Douz gewesen und hatte dort eine tolle Zeit verbracht. Es
war ein freudiges Wiedersehen mit unseren Beduinen, Edi, Ali, Achmed und
Amor (dem Sohn von Bechir aus Safraane).
Nach dem Essen überreichten Andrea und ich die Spendengelder. Ich
erklärte, dass es ein Geschenk von vielen Frauen für viele Beduinen sei.
Wir gingen alle Beduinen durch, Andrea hatte auf jeden Briefumschlag ein
Porträtfoto des jeweiligen Mannes geklebt. Auch den Bogen mit den
Frauenbildern erläuterten wir mit Namen. Am nächsten Tag (ich denke die
Männer hatten in die Umschläge geschaut) sprach Edi mich an und bedankte
sich noch einmal sehr für das Geschenk auch im Namen der anderen Beduinen.
Nach dem Mittagessen liefen wir los, das Tempo war stramm, die Frauen gut
gelaunt und gespannt, was sie so alles erwartete. Der Himmel war zunächst
etwas bedeckt, genau richtig für den Einstieg in die Wüste. Abends
beschlossen wir am nächsten Tag sehr früh los zu gehen, da wir mit großer
Hitze zu rechnen hatten. Wir verabredeten einen Weckruf mit Tamtam (der
Rahmentrommel) um 5.50.
Und dann hatten wir die erste Nacht in der Wüste! Es war ein herrlicher
Vollmond, Sterne sah man dadurch zwar wenig, aber dafür konnten wir uns
gut in der Nacht orientieren.
Am nächsten Morgen kamen wir pünktlich um 7.30 los. Wie schon abends
prophezeit, war der Tag sehr heiß. Wir maßen 37,1°C im Schatten und
machten schon um 11.30h eine lange Mittagspause.
In dieser probierten Andrea und ich das ausgeliehene Satellitentelefon
aus. Wir hatten Uschi versprochen, es einmal zu testen, wenn wir in der
Wüste sind. Leider fand das Telefon keinen Satelliten! Wir probierten es
mehrere Male, bis wir dann Edi um Rat fragten. Er lief mit Andrea über ein
paar riesige Dünen, aktivierte dann auf der anderen Seite verschiedene
Handys und bekam schließlich einen total verschlafenen Abdelmajid (der
Chef von Douz Voyages) ans Ohr. Dieser versprach Uschi wegen des nicht
funktionierenden Telefons zu informieren. Es war eine riesige Beruhigung,
Uschi wusste nun Bescheid und konnte unsere Familien informieren. Für uns
ist auch gut zu wissen, dass die Beduinen oft eine Möglichkeit haben,
Kontakt mit der Außenwelt aufzunehmen. Sie wissen meistens, wo man Handy
Verbindung hat. Im Nachhinein erfuhren wir, dass der Satellitenempfang
wahrscheinlich durch die Libyenkrise gestört war.
Die nächsten Wüstentage waren tagsüber mit recht großer Hitze und einem
strammen Lauftempo erfüllt. Zum Glück schafften wir es immer morgens um
7.30 los zu laufen, so dass wir nicht in die absolute Mittagshitze kamen.
Nachmittags liefen wir dann auch bis kurz vor Sonnenuntergang. Wir Frauen
und auch die Beduinen waren abends recht müde, so dass wir uns freuten
nach dem Abendessen in unsere Schlafsäcke zu kriechen.
Am 4. Tag hatten einige Frauen Blessuren: Blasen, Knieprobleme, gereizte
Augen, Splitter im Daumen und wirkten erschöpft, aber trotzdem fröhlich.
Andrea und ich hatten 2x täglich unsere „Sprechstunden“ wo wir Verbände
anlegten, Augen tropften, homöopathische Mittel verabreichten und
Kniebandagen verteilten.
Dafür bekamen wir an diesem Tag wir eine große Belohnung! Kurz vor
Sonnenuntergang erreichten wir die Quelle am Gala Blachmar Berg. Endlich
Wasser, baden, waschen und erfrischen!
Unsere müden Knochen wurden wieder beweglich und munter.
Abends beim Feuer gab es zunächst einen herrlichen Sternenhimmel. Als der
fast volle Mond hochkam, begann das Wetterleuchten. Ein tolles und
intensives Natur-Erlebnis. Als wir in der Ferne noch Donner grollen
hörten, bereiteten wir uns auf eine Regen- und Gewitternacht vor. Ich
wurde in der Nacht von ziemlichem Wind geweckt, auf den ein heftiger Regen
mit Blitz und Donner folgte. Ich schaute mich nach den Frauen um, wir
lagen an der Quelle ziemlich nah beieinander. Die Frauen kicherten und
überlegten sich, was sie hier überhaupt machen. In die Wüste zu fahren,
solche Strapazen auf sich zu nehmen und dann noch mitten in einem heftigen
Gewitter unter freiem Himmel zu liegen! Man braucht doch eine gewisse
Portion an Humor, um das so gelassen zu sehen! Es fasziniert mich immer
wieder in der Wüste Gewitter zu erleben, man fühlt sich ganz klein im
großen Universum und doch so zugehörig!
Am nächsten Morgen hatte es sich ziemlich abgekühlt, der Himmel war blau
und eine kühle Brise (bachri= der Wind, der vom Meer kommt) wehte. Den
anderen Frauen schien die Nacht trotz Gewitter einigermaßen bekommen zu
sein, obwohl die Blessuren der letzten Tage noch nicht ganz verheilt
waren.
An diesem Tag erreichten wir den südlichsten Punkt unserer Tour,
Bir Auin. Wir liefen daran vorbei, es ist ein Militärstützpunkt, in dem
auch ein Brunnen ist. Ali ging mit zwei Kamelen und Wasserkanistern los um
Wasser zu holen.
Wir Frauen waren ganz schön stolz auf das, was wir bisher geschafft
hatten: etwa 75 Kilometer in großer Hitze zu gehen, dabei riesige
Sanddünen zu überqueren, das heftige Gewitter in der Nacht...
Wir stiegen noch einmal riesige Dünen hinauf und wurden oben mit einmalig
schönen Ausblicken belohnt: man konnte immer wieder in 5 verschiedene
Täler blicken, eines schöner als das nächste...
Dann ging es eine Zeit lang nur bergab. Teilweise hatte man das Gefühl,
dass es ca. 200 Meter Höhenunterschied gab. Da ja alles so weich und
sandig ist, kann man hier gar keine Höhenangst bekommen, sondern die Dünen
runter rennen, sich runter kugeln, was einige Frauen auch taten.
Da wir nun den südlichsten Punkt überschritten, und genug Wasser bei uns
hatten, konnten wir die Tour von nun an wesentlich langsamer und
entspannter laufen. Zunächst musste es so zügig gehen, da man im Frühjahr
jederzeit mit einem Sandsturm rechnen muss und somit manchmal nicht weiter
gehen kann. Wenn das gleich zu Anfang geschehen wäre, hätte es
Zeitprobleme geben können.
An diesem Abend war unsere Stimmung super, selbst die Beduinen wirkten
erleichtert, und somit gab es am Feuer nach dem Essen wunderschöne Musik
und Tanz. Auch wir Frauen erfreuten uns und die Männer mit tollen
Gesängen, vor allem Olga, die eine wunderschöne Soul-Stimme hat.
Jetzt da wir etwas gemächlicher gehen konnten, ergaben sich auch immer
wieder Gespräche mit den Beduinen.
Einige Beduinen können keine oder nur noch kurze Touren gehen.
Ibrahim hat ganz schlimme Rückenprobleme, der Arzt hat ihm eine Korsage
verschrieben, er kann nur noch kleine Touren laufen. Habib ist letztes
Jahr Vater geworden. Leider sind zwei seiner Kamele gestorben, so dass er
nur noch eines hat. Mit einem Kamel ist es für ihn nicht möglich bei einer Tour
mit zu machen.
Ali mit der Brille ist nun komplett blind, er kann gar keine Touren mehr
laufen.
Sowohl von Ibrahim, als auch von Ali Tam-Tam sind im letzten Jahr Kamele
auf der Straße zwischen Matmata und Douz von zu schnell fahrenden Autos
tot gefahren worden. Die Beduinen bekommen keinen Ersatz oder Geld dafür.
Edis „Heschi“ (das junge Kamel) war Anfang des Jahres so krank, dass es 4
Wochen gar nichts gefressen hat. Der Kamelarzt gab ihm jeden Tag 2
Spritzen und sie hatten schon die Hoffnung der Genesung aufgegeben. Die
Familie besuchte das Heschi jeden Tag und betete zu Allah. Zum Glück
erholte es sich und konnte nun auf unserer Tour mitgehen. Es hatte ziemlich
abgenommen, wir fütterten es mit ganz vielen Blumen, die zum Glück
reichlich vorhanden waren.
Über den Sturz von Ben Ali freuen sich alle sehr. Die Beduinen sagen, dass
vor allem die Nachrichten und das Fernsehen nun ganz anders sind. Viel
offener und freier, es wird über alles geredet. Auch haben sie nun keine
Angst mehr, dass Handy-Gespräche belauscht und Mails eingesehen werden.
Sie wünschen sich eine Demokratie, wissen aber auch, dass es viel Zeit
braucht und man geduldig sein muss.
Nun wieder zurück zu unserer Tour. Am Karfreitag erreichten wir die 2.
Quelle, „la Source“ oder Lac Houidhat“. Es war sehr heiß, 37 ° im Schatten und 48° in der
Sonne. Alle freuten sich über einen halben Tag Pause. An der Quelle waren
sogar einige Touristen. Eine deutsche Familie mit 2 Kindern, die schon das
6. Mal da waren. Dann lagerten dort noch 3 Jeeps mit Touristen. Wir waren
allerdings die einzige Karawane.
Auch das Café-Zelt stand noch da, was einige unserer Frauen sehr freute,
da sie sich eine kalte Cola gönnen konnten.
Das Baden in der Quelle war wieder ausgesprochen aufmunternd und die Pause
tat jedem gut.
Der frühe Morgen begann wieder mit Regen, Blitz und Donner. Zum Glück
hörte der Regen nach dem Losgehen auf, dafür kam der heiße Südwind, der
„Sheheli“. Die Stimmung in der Gruppe war super, durch unsere gemeinsamen
Erfahrungen und intensiven Erlebnissen wuchsen wir sehr zusammen. In den
Mittagspausen unterhielt uns Karin immer mit kurzen, sehr amüsanten
Geschichten. Dadurch wurden auch unsere Lachmuskeln sehr gut gekräftigt:0)
Am Ostersamstag bereiteten Andrea und ich die Osterüberraschungen vor.
Andrea hatte kleine Stoffhasen und Kamele genäht, die wir mit Süßigkeiten
füllten. Diese versteckten wir dann am Ostersonntag Morgen. Nun begann die
Suche. Die Frauen suchten Stoff-Hasen und die Männer Stoff-Kamele. Alle waren intensiv
dabei und freuten sich sehr über ihre gefundenen Schätze.
An diesem Tag wurde der Hitzerekord gesprengt 43,5° im Schatten (53,8° in
der Sonne), dazu der heiße Scheheli und ein beginnender Sandsturm. Zum
Glück war es nur ein kleiner Sandsturm, der uns Frauen aber sehr
faszinierte. Die Dünen sahen aus, als ob Djinns (Geister) mit Schleiern über sie
tanzten.
Abends flachte der Wind wieder ab, auch die Luft wurde angenehm kühl (18°).
Die Beduinen trinken gerne kaltes Wasser. Sie kühlen es ab, indem sie
Wasser in eine Metallschüssel gießen. Nach einer halben Stunde ist es so
kalt, als ob es aus dem Kühlschrank käme. Auch für uns gab es kaltes
Wasser. Es war sehr erfrischend nach einem so heißen Tag.
Abends bereitete Achmed mit viel Sorgfalt für uns einen Beduinen-Tee zu,
den wir genüsslich schlürften.
Am nächsten Tag war es wieder sehr heiß. Dadurch, dass wir immer so früh
morgens los liefen und wir sonst keine Verzögerungen hatten, konnten wir
uns noch einen halben Tag Pause gönnen. Die ganze Zeit windete es heiß und
überall war Sand. Die Beduinen bauten sowohl das kleine weiße Zelt, als
auch das Beduinenzelt auf. Wir machten es uns im großen Zelt gemütlich,
lasen umschichtig vor, massierten uns gegenseitig und ließen es uns gut
gehen. Dann gab es Kaffee, Tee und Kekse, es war total entspannend.
Mittlerweile waren auch die anfänglichen Blessuren verheilt, so dass es
uns Frauen sehr gut ging. Karin las auf einmal eine sehr lustige
Geschichte vor, die sie mal eben so geschrieben hatte. Ein paar Sachen
waren in der Wüste verloren gegangen (ein Brillenetui, Ohrringe, ein Tuch,
ein Osterhase...) Die Geschichte handelte von den verlorenen Dingen. Es
ist immer toll, wie kreativ sie sein kann trotz der großen Hitze!
Abends flachte der Wind wieder ab und es wurde ein wunderschöner Abend mit
Musik und Tanz.
In der Nacht fing es wieder an zu regnen, es regnete auch
noch beim Frühstück. Zum Glück stand das weiße Zelt noch, so dass wir
nicht ganz so nass wurden. Dafür sahen wir aus, als ob wir paniert wären!
Das war eine echte Verwüstung:0)))
So langsam kamen wir dem Ende der Tour entgegen. Wir erreichten zur
Kekspause den Berg Tembain. Auf diesem Berg hat man eine herrliche Sicht
in alle Himmelsrichtungen. Mit Stolz erblickten wir in der Ferne die Berge
Elmida, Tennessone und Dacanis die wir auf der anderen Seite umwandert
hatten. Wir haben wirklich eine riesige Strecke zurück gelegt!
Nach der Bergbesteigung schlugen wir in der Nähe des Tembain-Brunnens
unser Mittagslager auf. Danach gingen wir Frauen mit Ali Kamele tränken
und Wasser holen.
Es ist immer wieder ein eindrucksvolles Bild, wenn die
Kamele trinken. Dass sie innerhalb von so kurzer Zeit so viel Wasser zu
sich nehmen können! Die Bäuche der Tiere sind danach dermaßen dick!
Auch für uns war das Wasser des Tembain-Brunnens wieder eine willkommene
Erfrischung. Es schmeckt so lecker süß und ist herrlich kalt.
In der Mittagspause feierten wir Petras Geburtstag. Andrea hatte ein
kleines Kamel und ein Pixibüchlein über die Wüste besorgt. Dann sangen wir
noch Happy Birthday auf arabisch. Petra war ganz gerührt. Später sagte
sie, dass es ihr schönster Geburtstag überhaupt gewesen sei.
Auf unserem Weg zum Djebil begannen die Beduinen wilden Wacholder zu
suchen. Sie nennen es Djade. Es soll sehr gut bei Magen-Darm-Beschwerden
wirken. Der Teeaufguss schmeckt allerdings furchtbar bitter. Wir sammelten
große Sträuße dieser lila blühenden Pflanze. Die Beduinen sammeln häufig
Kräuter, die sie dann verkaufen. Ali zeigte uns noch eine Pflanze, die wir
Lippenstiftpflanze tauften. Es ist ein kleines lila blühendes Blümchen,
welches eine lange rote Wurzel hat. Diese Wurzel benutzen die
Beduinenfrauen als Lippenstift. Das war natürlich auch etwas für uns
Frauen. Einige von uns trugen auf einmal Wüstenlippenstift. Die Farbe hält
so richtig lange!
Der letzte Wüstentag brach nach einer sternenreichen Nacht mit vielen
Sternschnuppen an. Alle waren ziemlich wehmütig. Auch die Beduinen waren
traurig, dass es nun bald vorbei ist. Am Ende der Mittagspause saßen wir
mit ihnen allen zusammen und tranken den leckeren Beduinentee. Die Männer
erkundigten sich nach verschiedenen Frauen mit denen sie einmal gegangen
waren.
Am Abend erreichten wir unser Ziel, den Djebil. Dort erwarteten uns schon
2 Jeeps mit den Fahrern. Sie brachten uns frisches Gemüse, Obst und
Fleisch. Das Abendessen wurde ein Festmahl mit leckerem Cous-Cous.
Danach erfreuten wir Frauen unsere Beduinen mit einem kleinen
Puppentheater. Die Osterhasen stellten uns Frauen dar. Die Beduinen waren
von Andrea und mir gebastelte Papierpüppchen. Wir spielten verschiedene
Szenen unserer Tour auf arabisch nach, was den Beduinen ziemlichen Spaß
machte.
Sp¡¡ter wurde noch sehr lange Musik gemacht und getanzt. Wir hatten einen
wunderschönen Abschieds-Abend.
Am nächsten Morgen wurden wir gegen 8.00 abgeholt. Es war ein rührender
Abschied! Alle hatten Tränen in den Augen! Dann fuhren wir nach Douz. Dort
war wie jeden Donnerstag Markt. Ein äußerst buntes Treiben nach der Ruhe
in der Wüste! Dadurch, dass keine Touren liefen, waren einige bekannte
Beduinen unterwegs. Wir trafen: Ibrahim (Edis Cousin), Mohammed, Ali
Moustache (Mohammeds Bruder), Amor (der im Herbst mit uns unterwegs war),
Mohammed (unser Koch aus dem letzten Frühjahr) und sogar zum Schluss noch
Bechir, (der sich in den letzten Jahren kaum verändert hatte). Alle freuten
sich sehr uns zu sehen.
Nach einer ausgiebigen Shoppingtour und dem Mittagessen im Restaurant
Palmier, wurden wir ins Hotel gebracht. Diesmal war es das Hotel Sahara,
da alle anderen großen Hotels aufgrund der wenigen Touristen geschlossen
hatten. In diesem Hotel hatten sich ca. 300 Touristen versammelt. Wie immer
war es ein komisches Gefühl nach der langen Zeit wieder in der
Zivilisation zu sein.
Unseren letzten gemeinsamen Abend ließen wir nach dem Essen mit Weißwein
und gemeinsamen Chicha-Rauchen ausklingen. Am nächsten Morgen wurden wir
dann wieder nach Djerba zum Flughafen gebracht.
Andrea und ich als Guides sind uns einig: dies war unsere schönste Tour!
Wir haben von Anfang an viel „Herzblut“ in die Tour gesteckt. Es hat sich
absolut gelohnt. Auch unsere so lieb gewonnenen mitreisenden
Wüstenschwestern waren ohne Ausnahme hellauf begeistert. Alle sind sich
einig, dass sie wieder in die W¨¹ste fahren möchten. Wir haben von
irgendwelchen Unruhen absolut nichts bemerkt. Im Gegenteil, wenn wir Leute
trafen, dann merkte man wie froh sie sind, dass wir da waren. Auf unserer
Rückreise aus der Wüste trafen wir in einem Wüstencafé einen Soldaten, der
hielt sich, als er uns sah, die Hand aufs Herz und schaute so glücklich
aus.
Tunesien braucht Touristen. Ein großer Teil der Arbeit und des Einkommens
stammt aus dem Tourismus. Unsere Beduinen haben zurzeit keinerlei Arbeit.
So ist es für sie unmöglich ihre zum Teil sehr großen Familien zu ernähren. Zum
anderen lieben sie auch ihre Arbeit und es macht sie sehr traurig, dass
sie dieser nicht nachgehen können. In diesem Frühjahr gab es lediglich 4
Touren ingesamt bei Douz Voyages. Zwei davon wurden von El Mida organisiert.
Wir fühlten uns die ganze Zeit sicher und wohl behütet. Für Andrea und
mich ist klar, wir fahren weiter in die Wüste und hoffen, dass es genug
Frauen gibt, die mit uns reisen!
Wir freuen uns von Euch zu hören, beslama, bleibt gesund!
Viele Grüße von Kathrin und Andrea.
