Unsere Marokkoreise war sehr schön und auch sehr abwechslungsreich. Ich war das erste Mal in Marokko, und ich war ganz verzaubert von der Schönheit der Landschaft! Die Gipfel des Atlasgebirges... noch schneebedeckt... ein ganz klarer, strahlend blauer, endloser Himmel... die roten Lehmdörfer... die Dünen bei Sonnenaufgang... dann im Abendlicht... der Vollmond über den Dünen... der "Orion", so klar und nah am nächtlichen Sternenhimmel... diese Bilder sind alle noch so deutlich, und mein Herz wird ganz weit, selbst beim Erinnern daran.
Bevor wir "Erg Chegaga", die Sanddünenwüste erreicht haben, sind wir zuerst durch gebirgige Landschaft gelaufen... geritten... durch einen atemberaubenden Canyon...sind in einem ziemlich eiskalten See geschwommen...ganz grün und klar war der!... wunderschön! Was für einen Spaß wir hatten! Als wir die Füße eintauchten, war uns gar nicht mehr so heiß...hat zuerst schon einige Überwindung gekostet, ganz hineinzutauchen in das kalte Wasser, aber wir hätten es uns nicht verziehen, nicht darin gebadet zu haben. Daran musste ich denken, als wir am nächsten Tag in unsrer Mittagspause im Zelt vor uns hin schwitzten. Wie gern wären wir sofort wieder in den See gesprungen, wäre er nur in der in der Nähe gewesen!
Wir haben ohne Schwierigkeiten Höhen wie den "Tembain" in Tunesien erklommen... die Kamele auch! ...Von weitem dachte ich wirklich, das kann nicht gehen, dachte, dass da weder wir und erst recht nicht die Kamele hochkämen... Und dann war es ganz leicht! Ich bin den Weg gegangen, ohne zu glauben, dass es möglich ist... tolle Erfahrung! Habe den Beduinen vertraut, die gesagt haben "geht schon mal los... den Weg seht Ihr schon beim Gehen". Sie sind mit den Kamelen nachgekommen, als wir schon ganz oben waren. Andrea und ich hatten beide das Gefühl, dass wir noch viel höher waren, als auf dem Tembain. Wie ich hinterher nachgelesen habe, war das übrigens der Anfang der Überquerung des Antiatlas. Es war so ein herrlicher Morgen! Blauer Himmel, ewigweite Sicht, zarter Wind, klare, saubere Luft...ein wunderschöner Beginn für unsere Tour!
Egal wo wir waren, wir haben immer irgendwo am Horizont Berge gesehen... auch in den Sanddünen. Ich empfand die Sanddünenwüste mit ihren zum Teil auch sehr hohen Dünen nicht so "unendlich weit" wie auf unserer letzten Quellentour in Tunesien, hab' mich nicht so "ganz allein auf der Welt" gefühlt wie dort manchmal. Aber noch allein genug ;-) ... ich glaube, ich habe dieses Mal keinen Sonnenaufgang verpasst... habe immer irgendwo auf einer Düne gesessen! Und ich bin immer "von selbst" kurz vor Sonnenaufgang wach geworden. Das kenne ich von meinem "normalen Leben" ja gar nicht.
Die Rückfahrt von Zagora über den Hohen Atlas nach Marrakech ist mir auch in besonderer Erinnerung. Eine Fahrt wie durch ein Marokko-Bilder-Buch! ( Die Hinfahrt, der selbe Weg, war auch schön! Anders schön..zuerst leichter Nieselregen...ein bißchen Nebel... ja, die Landschaft erinnerte irgendwie an "Nebelwald"! So viel Grün!!! Das hatte ich mir überhaupt nicht so vorgestellt... eigentlich hatte ich mir sowieso nichts vorgestellt!) Ab dem 2260m hohen Pass ( Tizi'n Tichka) schien dann die Sonne. Und auf der Rückfahrt haben die Wolken genau an der selben Stelle auf uns gewartet. Die Fahrt durch die Landschaft in der Nachmittagssonne, in diesem ganz besonderen Licht, war so wunderschön!
Rote Lehmdörfer, angelehnt an die Berge...ganz unauffällig, wie mit der Landschaft verwachsen...Schafherden, viele Esel!!!... glitzernde Flüssschen, kleine Wasserfälle ... Frauen bei der großen Wäsche und beim Wäscheaufhängen an verschiedenen Wasserstellen...bunte Teppiche zum Trocknen ausgebreitet auf den Felsen... blühender Oleander... Männer in Kapuzenmänteln... Frauen, riesige Grasbüschel auf den Köpfen balancierend... spielende Kinder... Palmenoasen... die schneebedeckten Gipfel in der Ferne. Wir waren einige Stunden unterwegs, und es war keine Sekunde langweilig. Ich wäre müde genug gewesen, um zu schlafen, aber das ging gar nicht, angesichts dieser Schönheit der Landschaft!
Wir waren dieses Mal eine ziemlich kleine "Wüstenfamilie". 1 Mädchen (12), (Anna, verzeih' mir, falls Du das liest und Du doch schon 13 bist), 2 ganz junge Frauen (17 und 19 seid Ihr in meiner Erinnerung, Stina und Janna ... hoffe, das stimmt auch...) und 6 "erwachsenere" Frauen. 4 Beduinen haben uns geführt, beschützt, bekocht... verwöhnt! Sie haben rund um die Uhr alles getan, um es uns so "gemütlich" wie möglich zu machen! Und dann gehörten natürlich unsere 11 Freunde, die Kamele noch zu unserer Karawane.
Mit dem Wetter hatten wir sehr viel "Glück". Ein paar vereinzelte Regentropfen an einem Abend nur...und es war warm! Sogar abends und nachts... in den ersten Nächten um die 20 Grad, als wir in unsere Schlafsäcke krochen. Hab' den Reissverschluss immer wieder auf- und zugezogen... Arme 'raus, Arme 'rein...Arme wieder 'raus, aber irgendwie war es sehr viel besser als zu frieren. Kein Vergleich zu letztem Jahr in Tunesien, als es in den ersten Nächten so kalt war! Windig war es, - bis auf einen Abend, immer nur tagsüber, was gut war für's Laufen... Alle anderen Abende waren windstill, warm, gemütlich... jedenfalls in meiner Erinnerung.
Das Essen war - wie auch immer in Tunesien - sehr gut! Was ich als besonderen Luxus empfand, war der "Café au Lait" zum Sonnenuntergang mit "richtiger" heisser Milch! Und "Thé à la Menthe", den guten marokkanischen Minzetee gab' es aber natürlich auch! Und Kekse!
Nach der Wüste dann noch einmal "ein Rausch für die Sinne"...Marrakech! Farben, Gerüche, Geräusche... so viele schöne Dinge auf den Märkten... Messinglampen... Lederschläppchen und Taschen in allen Farben und Fornen... Keramik, Schmuck...Teppiche, Stoffe, Wolle... Gewürze... Obst...Gemüse... alles, was man sich nur vorstellen kann. Wir waren gleich früh morgens in der Medina, der Altstadt, unterwegs, hatten einen "Guide", der uns in die verwinkelsten Ecken der Souks geführt hat... auch dahin, wo die Handwerker ihre Waren herstellen, in manchmal nur 2 m² großen "Werkstätten"... eine besonders schöne Atmosphäre in den engen Gäßchen im morgendlichen Sonnenlicht! Irgendwann landeten wir dann auch auf dem "Djemaa el Fna", dem berühmten Platz mit den Schlangenbeschwörern, Akrobaten, Märchenerzählern, Musikanten... haben dort an einem Stand einen köstlichen, ganz süßen, frischgepressten Orangensaf getrunken.
In Marrakech haben wir mitten in der Altstadt, in einem sehr schönen Gästehaus, einem "Riad" gewohnt, das Uschi und Andrea auf ihrem letzten kurzen Ausflug nach Marrakech "zufällig" entdeckt haben. Es gibt dort nur ganz wenige Zimmer, und die haben alle wir bewohnt. Wir haben 3 mal dort übernachtet - in der Nacht nach unserer Ankunft und dann noch mal 2 Nächte vor unserer Heimreise. Irgendwie hatten wir schon alle das Gefühl dort zu "wohnen". Es war sehr schön, dort mit einem guten Essen empfangen zu werden an unserem ersten Abend... an einem liebevoll gedeckten Tisch zu sitzen... ganz in Ruhe zu essen. Und es war genauso schön, dorthin zurückzukommen nach der Wüste... und dann auch abends nach dem "Gewusel" in der Stadt... wir haben uns sehr willkommen gefühlt dort!
Marokko war wirklich sehr eindrucksvoll! Und es war eine sehr schöne Zeit, besonders auch durch Euch alle, Ihr lieben Wüstenschwestern! Ganz liebe Grüße an Euch alle... falls Ihr das mal irgendwann lest! Auf diesem Weg auch liebe Grüße an alle meine anderen Wüstenfreundinnen!